Die Geldillusion

Mit der Privatisierung der Geldschöpfungshoheit und dem Kreditgeld im Kapitalismus wurde der vorher offensichtliche Zusammenhang von Geld und Staatsgewalt getrennt. Nicht mehr die militärische Macht ist der Souverän. Der Souverän ist das Geldkapital, das getrennt vom Staat agiert.

Die Souveränität des kapitalistischen Staates ist nur ein Schein und nicht tatsächlich vorhanden.

Der Schein der staatlichen Souveränität und der Schein der Unterworfenheit des Finanzkapitals unter den Staat sind zwei Seiten derselben Medaille.

Durch die Trennung von Geldschöpfungshoheit und Staat entstehen verschiedene Formen der Geldillusion:

  • Gewaltlosigkeit,
  • Geld als Vermittler des Austauschs ,
  • Werthaltigkeit des Kredits,
  • Staatlichkeit der Zentralbank und
  • Neutralität und Überstaatlichkeit

sind die Formen des Scheins, die das Finanzkapital umgeben.

Die Illusion der Gewaltlosigkeit

Diese besteht darin, daß die Staatsgewalt , die hinter dem Geld lauert , weil nur die Staatsgewalt die Werthaltigkeit des Geldes garantiert, der Zusammenhang zwischen Militär und Kredit nicht zu existieren scheint, weil der Bankier als privater Geschäftsmann auftritt und die Gewaltlosigkeit des Handels gegeben ist. Solange der Staat die Geldschöpungshoheit innehatte war offensichtlich, daß der Staat mit seinem Militär , seinem Gewaltmonopol die Gültigkeit und Wert des Geldes, sei es in Form von Münzen oder als Papiergeld, garantierte. Es gelten für den Bankier dieselben gesetze der Gewaltlosigkeit , wie für jeden anderen Händler auch. Für diese Gewaltlosigkeit sorgt der Staat, der verhindert, daß sich der eine Warenbesitzer die Ware des anderen mit Gewalt aneignet und damit die Freiheit des Handels garantiert . Die Beschränkung der Freiheit des Privatsubjekts in Form des allgemein gültigen Rechts ist die Bedingung des Warentauschs und auch der Geldgeschäfte.

Das Finanzkapital tritt als privater Geschäftsmann in gewaltloser Form auf. Der Bankier ist auf Gewaltlosigkeit verpflichtet scheint den Gesetzen des Staates unterworfen. Er schöpft den Kredit aus dem Nichts und wird in einer realen Währung zurückbezahlt. Wenn aber der Kredit nicht bedient werden kann, z.B. wenn es sich um ausländische kredite handelt, tritt das Militär auf die Bühne und setzt für den Gläubiger den Eigentumstitel , das Wertversprechen, den der schuldner dem Gläubiger gegeben hat und den er nicht bedienen kann um und eignet sich die realen Werte des Schuldners z.B. das Land, mit Gewalt an.

Dies ist das 1 mal 1 des Imperialismus.

In Wirklichkeit ist es aber der eigentliche Souverän, weil es den Reichtum der Gesellschaft besitzt, den Staat in seine Abhängigkeit gebracht hat und mit der Geldschöpfungshoheit, in Verbindung mit dem Zins, sich ein unerhört machtvolles Instrument geschaffen hat, sich den Reichtum der Gesellschaft anzueignen. Die Hortung von Gold war der Ausgangspunkt. Mit der Übernahme der Geldschöpfungshoheit und der Schaffung von Kreditgeld hat das Finanzkapital die effektivste Ausbeutungsmaschine geschaffen, die es je gab. Im Kapitalismus garantiert der Staat mit seinem Militär nicht nur die Gültigkeit der Währung , er garantiert auch die kreditbasierte, private Geldschöpfung durch das Finanzkapital, die Ausbeutungsmaschine, der er selbst unterworfen ist.

Die Illusion des Geldes als Vermittler des Austauschs:

Das Geld, das von Anfang an Bestandteil eines Ausbeutungskreislaufs, mit Militär und Staat aufs engste verbunden war und erst mit Staat und Militär in die Welt kam, erscheint im Kapitalismus, wo die Geldschöpfer vom Staat getrennt existieren und als Privatsubjekte dem Staat unterworfen sind , als getrennt von jeder Ausbeutung , als bloße Vermittler des Austauschs. Diesem schönen Schein sitzen die

bürgerlichen Ökonomen, wie Adam Smith und Ricardo aber auch Marx auf.

Das Geld wurde als nützlicher Vermittler des Austausches in der einfachen Tauschgesellschaft, die es nie gegeben hat, verklärt.

Die “Ableitung des Geldes” im ersten Band von Marx aus der “kleinen Warenproduktion”, als ein nützliches Ding zur Vermittlung des Warentauschs und Ausdruck des inneren Werts der Waren verdankt sich diesem Schein und ist falsch. Geld erscheint hier als nützliches Instrument des Austauschs, zwischen gleichberechtigen Warenbesitzern in einer Welt ohne Ausbeutung. Diese kleine Warenproduktion ist eine Erfindung der bürgerlichen Ökonomie, die es historisch nie gegeben hat, vgl David Graeber : Schulden, die ersten 5000 Jahre.

Geld bezahlt von Anfang an Ausbeutung, also Abzug von Lebensmitteln und Tötungarbeit der Soldaten.

Dieser Mythos diente auch dazu, die Rückkehr von Zins und Geld gesellschaftsfähig und die damit verbundenen Schrecken im Römischen Reich angesichts der Schrecken des Feudalismus endgültig in Vergessenheit geraten zu lassen. Geld und Zins hatten bereits in der römischen Sklavenhaltergesellschaft ihr Unwesen gezeigt und an historischem Material zur Entschlüsselung ihres Wesens fehlte es nicht.

Die Ausbeutung kommt nicht erst mit dem Kapital herein, wie Marx behauptet, sondern ist von vornherein mit dem Geld als allgemeinem Äquivalent, das nur durch den ursprünglichen, staatlichen Ausbeutungskreislauf entstehen konnte, gegeben.

Geld als allgemeines Äquivalent setzt den Staat und Krieg voraus.

Nur durch den Kreislauf der Gewalt kann Geld entstehen und ist Geld als allgemeines Äquivalent historisch entstanden.

Der Staat bezahlte seine Soldaten mit der Münze und die Untergebenen wurden verpflichtet ihre Abgaben in Geld zu bezahlen. So wurde der Markt mit Gewalt geschaffen. Denn die Abgaben, die der Staat mittels Gewalt von den Unterrworfenen eintrieb, sind keineswegs etwas, was diese übrig hatten, und freiwillig ausgetauscht hätten , sondern dies war eine Form der Ausbeutung. Nur so entwickelten sich Märkte und entstand historisch das Geld als allgemeines Äquivalent.

Die Soldaten schaffen keinen Wert, keine Waren. Von daher ist die Marxsche Gleichsetzung Geld=Wert weil durch Arbeit geschaffen, d.h. die Arbeitswertheorie, falsch. Geld bezahlt hier nicht Arbeit für Lebensmittel, die die Menschen brauchen, sondern Geld bezahlt Tötungsarbeit ( die Arbeit der Soldaten) , was die Herrschaft und Ausbeutung braucht.

Die Abgaben der Unterworfenen in Form des Geldes sind ein Abzug an Lebensmitteln und keineswegs nützlich für die Menschen.

Diese Abgaben an den Staat in Form des Geldes sind eine Art von “Mehrwert”, welchen es bei Marx erst innerhalb der kapitalistischen Produktion gibt.

Die Ausbeutung durch den Staat, die Marx vernachlässigt geht der kapitalistischen Ausbeutung voraus , bzw erstere ist der Ursprung der letzteren.

Die Ausbeutungsformen im nichtkapitalistischen Milieu gehen nicht in seine Theorie ein.

Die Tötungarbeit der Soldaten, die ursprünglich in der Form des Geldes bezahlt wurden, enthalten keine Arbeit zur Produktion eines nützlichen Dings. Diese Tätigkeit dient der Vernichtung von Leben zur Aufrechterhaltung von Herrschaft. Im Geld ist dieser Herrschaftszusammenhang ausgelöscht.

Tötungsarbeit der Soldaten zur Niederhaltung der unterworfenen Klasse wird im Geld gleichgesetzt mit den Abgaben, die die Menschen an den Staat leisten müssen. Der Staat zwingt die Menschen, Abgaben zu leisten, mit denen ihre eigene Vernichtung bezahlt wird. Das ist der, das Geld als allgemeines Äquivalent konstituierende “Tausch” zwischen unterworfener Klasse und herrschender Klasse. Dieses Gewaltverhältnis wird von den Menschen ( gezwungenermaßen) anerkannt, sobald sie das Geld benutzen.

Während Gebrauchswert-Geld auf der freien Übereinkunft der Leute basiert, welches nie den Charakter des allgemeinen Äquivalents angenommen hat, sondern regional gebunden blieb, ist das Staatsgeld von vornherein auf Ausbeutung und Gewalt begründet und erst so als Gewaltverhältnis kann es allgemeinen Charakter erhalten.

Geld ist ohne Staat nicht zu verstehen, weil es ein vom Staat konstituiertes Gewaltverhältnis ist.

Im Kapitalismus existieren die vorkapitalistischen Formen der Ausbeutung über Geld weiter, mehr noch, die Transformation des Geldes in Kreditgeld und der Übergang der Geldschöpfungshoheit in die Hände der Privatbankiers ist der Ursprung der Umwälzung der gesamten Produktion in eine kapitalistische. Die Produktion wird zu einer kapitalistischen um den Zins und Zinseszins zu bedienen.

Die kapitalistische Produktion hat nicht das Ziel den Bedarf der Menschen zu decken, sondern wird initialisiert, damit sie einen Profit abwirft, mit dem der Zins bedient werden kann. Der Mehrwert- der Arbeiter erhält als Lohn wesentlich weniger, als den Wert, den er produziert,- reicht nicht aus, um eine neue Produktion zu initialisieren und vom Gläubiger unabhängig zu werden, sondern der Kapitalist muß sich immer neu verschulden um die Zinsen zu bedienen und die Produktion am Laufen zu halten.

Die Bedienung des Zinses und Zinseszins führt zum Zwang der “erweitereten Akkumulation” zum Zwang nach beständigem Wachstum und zum Imperialismus.

Heute, wo die Herrschaft des Finanzkapitals über die Staaten offen hervortritt ( diese hatte Lenin deutlich gesehen, aber er hat die Marsche Theorie nicht kritisiert) ist es höchste Zeit, den blinden Fleck , den Marx in Bezug auf Staat und Geld hinterlassen hat, zu korrigieren. Es gilt, die Verdienste von Marx im historischen Kontext einzuordnen. Eine überhistorische Anwendung seiner Theorie führt heute in eine Apologie des agressivsten Formen von Imperialismus und Krieg. Wer heute noch das Finanzkapital mit den emanzipatorischen Vorschußlorbeeren bedenkt, die im Kampf gegen den Feudalismus ihren Ursprung hatten, ist längst auf die andere Seite der Barrikade gewechselt.

Die Illusion der Werthaltigkeit:

Der Unterschied zwischen einem normalen Händler, der eine Ware verkauft, die einen realen Wert besitzt und dem Bankier, der einen Kredit vergibt, ist der , daß der Wert des Kredits erst in dem Moment geschaffen wird , in dem er auf dem Konto des Kreditnehmers erscheint, und vorher gar nicht existiert hat.

Diese Tatsache verschwindet ebenfalls hinter der Fassade des freien Geldhandels, in dem der Bankier als Händler auftritt, der wie jeder andere Händler einen Wert verkauft bzw verleiht.

Die Kredite, die die Geldkapitalisten vergeben, erscheinen als Werte, und es erscheint nur recht und billig, wenn diese mit Zinsen zurückbezahlt werden. Die Geldschöpfung aus dem Nichts , ist verdeckt.

Genausowenig wie der Lohnarbeiter als Eigentumsloser mit den Besitzern der Produktionsmittel den Kapitalisten gleichgesetzt werden kann, wie das in der Behandlung derselben als freie und gleiche Rechtssubjekte auf der Ebene der Konkurrenz geschieht, genausowenig können die Finanzkapitalisten mit den übrigen Marktteilnehmern gleichgesetzt werden, denn die Finanzkapitalisten bringen in den Handel keinen Wert ein, wie das alle anderen Händler tun, wenn sie über den Kredit das Geld aus dem Nichts schöpfen und die Staatsgewalt dazu benutzen, ihren Eigentumstitel inklusive Zinsen mit Gewalt einzutreiben.

Die Illusion der Staatlichkeit der Zentralbanken :

Das Geld ist im Kapitalismus seinem Wesen nach Kreditgeld und die Geldschöpfung funktioniert über den Kredit der Privatbankiers. Daraus folgt, daß die Zentralbank von den Privatbankiers kontrolliert wird, also ihrem Wesen nach eine private Institution ist, wohin sie sich historisch zwangsläufig entwickelt hat. Staatliche Zentralbanken können sich in einem kapitalistischen Land unter Beibehaltung der privaten Geldschöpfung über den Kredit oder auch nur unter Beibehaltung des Privateigentums nicht auf Dauer halten.

Da die Banken als rechtliche Wirtschaftssubjekte dem Staat unterworfen und der Staat als höchster Souverän erscheint, sieht es so, als seien die Zentralbanken staatliche Institutionen, ein Schein, den das Finanzkapital bemüht ist, aufrechtzuerhalten.