Bericht eines Genossen aus der Ukraine

Veröffentlicht: Februar 27, 2014 von asambleasueberall in Ukraine

In der Ukraine etabliert sich gerade eine neue faschistsche Elite und
macht Jagd auf Juden und Kommuist_innen/Anarchist_innen.

Hier ein Bericht eines Genossens welcher derzeit in der Ukraine lebt.

Genoss*innen, helft uns! Die Häuser von Kommunist*innen brennen. Die
Plätze und die politische Initiative im Land sind in der Hand offen
bekennender Nazis. Die Geldliberalen, die ihnen mit der EU zur Macht
verholfen haben, verstecken sich vor ihnen hinter Schreibtischen einer
imaginierten Putschregierung. Wie lange noch? Antifaschist*innen, die
öffentlichen Raum zurückfordern, wurden in den letzten 72 Stunden nicht
nur brutal zusammengeschlagen, sondern auch in mehreren Fällen gezielt auf
offener Straße von faschistischen Freikorps-Kadern umgebracht.

Im Internet häufen sich Anhaltspunkte, dass spätestens morgen die
neo-faschistische Organisation Narodny Narbat mit Hilfe eines
rechtsradikalen Analysten der ukrainischen politischen Polizei (SBU) mit
Schockkommandos eine Todesliste linker Aktivisten abarbeiten wird.

Hintergrundinformationen von Martin, nach einer Reise zu proletarischeren
Widerstandszonen der Zentralukraine (Krivoj Rog) und einer aktuellen
ausführlichen Fahrraderkundung durch Kiev, nach Interviews mit vertrauten
Oppositionellen im Untergrund und auf der Flucht. 25. Februar. 2014, 13:00

Ultra-nationalistische Paramilitärs haben in einem Putsch die Zentralmacht
in der ukrainischen Hauptstadt an sich gerissen. Ihr faktischer Präsident,
ist ein Kader der politischen Polizei der Ukraine, SBU, die für ihre
CIA-durchsetzung bekannt ist. 2006 stand Turchynov vor Gericht weil er bei
der politischen Polizeiarbeit Materialien zum Wirtschaftsimperium von
Mogilevi verschwinden lassen hat. Die bürgerlichen Oppositionsparteien in
Koalition mit der Nazipartei Svoboda haben wenig wirkliche Kontrolle über
die Tätigkeit der faschistischen Milizen, die sie an die Macht gebracht
haben. Diese rechtsradikalen Freikorps bestimmen derzeit die das Tempo der
Repression gegen linke Gegner, die Methoden des Vormarsches und
realisieren ihre politischen Vorstellungen in Personal- und
Wirtschaftsentscheidungen fast des gesamten Landes.

Rechtsradikale Gewalt bestimmt Tempo und Stoßrichtung der militärischen
Übernahme auch in den Subzentren aktuell

Das vorläufige Bild von Freitagnacht verdichtet sich. Nach unserer
Einschätzung ist es in der Tat in diesen Stunden so, dass die
Nazi-Freikorps faktisch im Land durchregieren, aktuell bis auf Teile der
Stadt Harkov und die überwiegende Teile der Krim. Massive Gewalt und
politischer Mord war konstitutiv für die neuen Macht. Schon in den ersten
Tagen der Platzbesetzung wurden Obdachlose und angeblich Betrunkene, die
russisch sprachen ausgesprochen brutal zusammengeschlagen. Dasselbe
erlitten bald darauf liberale pro-EU-Feminist*innen und Freiwillige einer
eigentlich rechts aufgestellten Gewerkschaft. Im Verlauf der vom Majdan
ausgehenden, fortschreitenden Paramilitarisierung der
Oppositionsforderungen hat sich eine spezifische Gewalt- und
Kommandostruktur herausgebildet, die nicht aus Zufall fast komplett unter
neonazistischer Symbolik operiert. Gefangene des rechtsradikalen
Majdankommandanten (seit gestern abend Gesundheitsminister) wurden auf
Befehl gefoltert und zum Teil verstümmelt (Hände, Füße, Augen).

Diese jetzt als Zentralmacht etablierten Gewaltverhältnisse werden jetzt
als Angriffe auf Lenindenkmäler generalstabsmäßig koordiniert mit viel
Geld und mobilen Paramilitär-Trupps in allen Subzentren durchgesetzt. Auch
auf der Krim gelangen so momentweise Terraingewinne, die dort und um
Harkov (Lugansk) aber bis jetzt nur mit hit-and-run-Techniken Erfolg
haben. Eine neue Form der repressiven Öffentlichkeit mit entsprechenden
akademischen Kadern und sich liberal gebenden rechten Medien begleitet
diese paramilitärischen Übernahmen des öffentlichen Raums ideologisch und
hat faktisch intellektuelle Hegemonie bis in ehemals sich als links
definierende Zusammenhänge von Gewerkschaftler*innen und bürgerlichen
Anarchist*innen. Die symbolische Inbesitznahme öffentlichen Raums durch
paramilitärische rechte Formationen hat sich auf die Zerstörung von
Lenindenkmälern erklärtermaßen nur vorläufige eingeschossen. Zerstörung
der Denkmäler bedeutet dabei schon jetzt immer auch Zerstörung der
Menschen, die sich schützend vor sie stellen. Ihre Zusammenhänge werden
massiv und gezielt angegriffen. Die para-militärischen rechten Einheiten
werden für ihre präzise dirigierte Randale mit meist einheitlichen
Autobussen angefahren, in zentralen Hotels untergebracht und professionell
militärisch kommandiert. Die Beflaggung und Losungen dieser
Freikorps-Angriffe greifen unverhohlen die von ukrainischen SS-Einheiten
des Zweiten Weltkriegs auf. Andere Symbole und Losungen sind, bis auf
Ukraine über alles meist überhaupt nicht präsent in den Ansammlungen von
jeweils mehreren hundert selbsternannten Kämpfern. Ihre Aggressionen
gegen linke Opposition geben sich in Wort und Tat eindeutig neonazistisch.

Rechte Dirigierarbeit um Gewaltwirkung im Land zu maximieren und westliche
Medien aus den Bürgerkriegsvorbereitungen herauszuhalten

Dabei sind politische Kader der Neonazis in Kommandofunktionen, die sehr
genau abstufen wie viel Brutalität gegen politische Gegner am gegebenen
Ort sinnvoll ist für ihre derzeitige landesweite Übernahme und die ihnen
derzeit nötige Propagandawirkung. Ich habe gesehen, wie sie in einer
lebensgefährlichen Lage, in der 300 Neonazis uns 25 linke
Gegendemonstranten in Krivoj Rog eingekesselt hatten die überwiegend
alkoholisierten paramilitärischen Hundertschaften sowohl in ihren
Hassäußerungen aufpeitschten als auch stellenweise leicht abbremsten.
Dafür stellen sich Abschnittskommandeure vor die grölende und mit
Tötungswaffen drohende Menge und geben mit Armbewegungen und
Megaphonkommandos konkrete Anweisungen: mehr, langsamer. Zwei Aktivisten,
die sich dem faschistischen Mob vor einem Lenindenkmal entgegengestellt
haben sind in den letzten Stunden von einer auf diese Weise kommandierten
Menge umgebracht worden. Ich habe selber schwere Verletzungen gesehen die
bei diesen in der Regel nächtlichen Platzübernahmen gegen unbewaffnete
Gegendemonstrant*innen wegen ihrer antifaschistischen Position verübt
wurden.

Nach Zerschlagung von linken Organisationszusammenhängen jetzt
individuelle Verfolgung

In der Nacht auf den 25. Februar brannte das Haus, in dem der Sohn des
Vorsitzenden der Kommunistischen Partei Ukraine wohnt. Zentralkomitee der
kommunistischen Partei der Ukraine und die Redaktion der Zeitung
Kommunist sind militärisch von faschistischen Freikorps gestürmt worden
und seitdem nicht mehr zugänglich, schon gar nicht für die Handvoll
Polizisten, die auf die Straße geschickt werden, weil sie ihre Loyalität
mit dem rechten Mob bewiesen haben. Bei den Angriffen auf linke
Infrastruktur sind umfangreiche Datenbanken in die Hände der
faschistischen Paramilitärs gelangt, die aller kommunistischen
Parteimitglieder, auch unsere, z.B. als Abonnent*innen und kritische
Leser*innen der Zeitung Kommunist bis zu ihrer Zerschlagung.

Gegenwehr, Schutz linker Zusammenhänge, Abtauchen Linker in
Untergrundarbeit und Flucht ins Ausland

Die für uns alle ätzende, aber eben definitiv nicht faschistisch
ambitionierte Macht der Präsidentialklientele um Janukovi ist seit den
aggressiven Signalen aus Brüssel ab Ende November 2013 zusammengebrochen
wie ein Kartenhaus. Besonders die letzten Stunden Freitagnacht zeigen,
dass viele Wahrnehmungsmuster seiner tatsächlichen Macht und der
Handlungsfähigkeit seiner Verbündeten eher Projektionen aus dem eigenen
politischen Vorgehen gewesen sind. Es ist wie mit der extremen Rechten in
den USA vor ihren Militärschlägen: sie werfen den Gegnern vor, was sie
selber grade planen. Aber ärgern wir uns besser nicht an ihrer
Ideenlosigkeit, denn mit der Knarre in der Hand als Obercoole von Kiev
haben sie Ideen genug.

An den zerstörten Leninstatuen kristallisieren sich neue
Kampfkonstellationen, auch antifaschistische. Nazi-Kader patrouillieren
das Umfeld ihrer Zerstörungen in den Folgetagen und verfolgen Gegenstimmen
mit weiteren Gewaltandrohungen, das ist allen augenfällig, es wird kein
Hehl draus gemacht. Trotzdem finden ausgerechnet an den zerschlagenen
Statuen jetzt wichtige Vernetzungen von Antifaschist*innen statt. Viele
Neulinge, die vorher politisch unorganisiert waren, sprechen laut, trotz
der Gefahr von rechten Prügelkommandos aus der Menge gezogen zu werden.
Ich habe ein zweijähriges Kind und ich werde nicht zulassen, dass es in
einem faschistischen Staat leben muss, sagt zum Beispiel eine
Fliessbandarbeiterin aus Krivoj Rog, die ein Protestplakat am Fundament
der zerstörten Leninstatue aufgehängt hat. Mir kamen das erste Mal die
Tränen als ich das hörte. Unser Kind ist nen halbes Jahr älter und diese
politisch, nach eigenem Bekunden, nie vorher in Erscheinung getretene Frau
vermag plötzlich das zu sagen was mich vor allem anderen belastet. Und
weil sie, die Fabrikarbeiterin mit Volksschulabschluss, es so sagen kann
und die möglichen Konsequenzen für ihre Worte nicht scheut, deswegen ist
es eigentlich schon keine Belastung mehr, sondern eine proletarische
Organisationsaufgabe. Ihre einzige Realisierung nach feindlicher Übernahme
des Staates oder was von ihm übrig ist: Gegenmacht von unten. Eine
Krankenschwester und eine Studentin stehen neben ihr und schützen sie vor
Zudringlichkeiten der herandrängenden und ausschließlich männlichen
Rechter. Zehn Minuten später ist diese Szene komplett gewandelt, das
Plakat runtergerissen, alle drei Frauen weg und neue kommen mit ähnlichen
mutigen Auftritten. Solche antifaschistische Zivilcourage ist sichtlich
improvisiert, dadurch sehr lebendig und verbunden mit ökonomischen
Tagesüberlegungen von Lohnabhängigen, deren Realitätssinn umstehende
mitreißt. Sie sind damit auch hochgradig angreifbar. Trotzdem werden, oft
in der Schnelle, an diesen halboffen umkämpften öffentlichen Orten
halbkonspirativ Kontakte ausgetauscht und Zugänge zu geschlossenen
Internetforen im weiten und diversen Umfeld Anti-Majdan von Hand zu Hand
gegeben. Es ist nicht außergewöhnlich, dass die Teilnehmer*innenzahlen
solcher neu-initiierter Foren wenn ich eine halbe Stunde später
konspirativ einlogge bereits um einige hundert Teilnehmer*innen höher sind
als ihre Initiator*innen mir erzählten, die den Stand wussten als sie
selber außer Haus gegangen sind. Aber Internettpräsenzen sind nicht
maßgeblich. Die Gegenmobilisierung aus der antifaschistisch gebildeten
Bevölkerung verständigt sich überall, wo sie zu Haus ist: Das Potential
der Zivilcourage ukrainischer Lohnarbeitenden ist im Westen des Landes
durchaus präsent (sogar bei Kirchweih) auch in allen Kleinzentren, in der
Zentralukraine groß, nicht nur in Industrieschwerpunkten, und im Osten und
Süden eindeutig hegemonial. Institutionalisierte Intellektuelle des
Nationalprojekts, die üblichen Über-setzer geben diese Verhältnisse
systematisch verzerrt wieder. Ihre Kaderauslese seit 20 Jahren hat eine
spezifisch-provinzielle Oberflächigkeit hervorgebracht, in der völkische
und rechte Denkmuster dominieren. Und nichts verklickert sich so leicht an
z.B. freie Deutsche Radios wie das Ethnisieren alles Sozialen, das
universelle Fraßwerk jeder Faschisierung. In vielen Situationen wird
geradezu eine solche abgereicherte völkische Ekklektik verlangt, für
parawissenschaftliche Meinungskarrieren in der prekären
Aufmerksamkeitsökonomie unserer konialen Situation hier und ihrer
ukrainischen Oberschicht. Beispielhaft dafür ist die ehemalige
KGB-Kaderschmiede und rechte Ideologieschmiede Mogiljanka, in der auch
zwei ausgesprochen rechts investierte deutsche Parawissenschaftler als
Dozenten und Kulturtransferexperten vom Dienst bezahlt werden.

Welchen Antifaschismus ruft der EU-Durchmarsch und seine Hilfstruppe hier
auf den Plan?

Eine antifaschistische Widerstandsbewegung wird anti-akademischen
Charakter haben und  wenn sie erfolgreich sein wird  die Sprache jener
Lohnabhängigen sprechen, die von dem jetzt anstehenden neoliberalen
Kahlschlag im Staat und seiner Rest-Sozialwirtschaft nun nach Weltbank und
Lissabonner Diktat brutal und zielstrebig aufs Korn genommen werden.
Ideologische Eigenständigkeit von den russischen Diktatur- und
Oligarch*inneninteressen ist kaum zu erwarten. Die Machtfrage wurde von
den rechten Aggressoren vor 72 hier so gestellt (Ultimatum trotz
schriftlich ausgehandeltem Steinmeier-Kompromiss), dass die darauf
folgende Polarisierung noch weiter und radikaler eine schablonenhafte
Ethnisierung genuin sozialer Widersprüche durchsetzt. Jede
anti-russische Stellungnahme in der Drohkulisse jetziger
Gewaltverhältnisse ist Öl auf das Bürgerkriegsfeuer, das deutsche
Kapitalinteressen hier seit 2007 angezettelt haben. Der EU-Generalplan zur
Expansion nach Osten, vorgeblich getragen von polnischen und schwedischen
Attacken, wurde merkwürdigerweise an der eigenen schweren Krise
vorbeieskaliert. Um soziale Forderungen aus dem Anschlussfieber
privilegierterer ukrainischer Mittelklassen grundsätzlich rauszuhalten hat
die EU bewusst das Zweckbündnis mit rechtsnationalen Kräften nach
ungarischem Vorbild gesucht und gefunden. Seit Freitag sieht es so nun so
aus, als ob die EU sehr bald Opfer ihrer eigenen braun überschäumenden
Erfolge werden kann. Schmeiß Hefe in ein Plumsklo und Du bekommst so ne
Art ukrainischer Gärung. Klar treibt das der deutschen Wirtschaft willige
Nicht-Zwangsarbeiter*innen zu, die mehr Arbeitslosigkeitsstress aushalten
als das in Zentraleuropa physisch möglich ist. Aber was sollen all die
arbeitswillig Unterbezahlten und konsumloyal frierenden wenn sich jetzt
absehbar der gaspreis verdoppelt? Wieviel Erfolge verträgt das hegemoniale
Deutsche Großkapital denn noch auf seiner Eroberungs-Reise durch den Osten
hindurch bis ganz nach Indien?

Interessanterweise gibt es zum britischen Erfahrungshintergrund, der mit
imperial overstrech benannt wird, im deutschen keine wirkliche
Entsprechung. Im Deutschen wird überfressenes ausgekotzt und
weitergefressen. So geht das vielleicht mit Karrieristen der Linkspartei
im Vierten reiche, so geht es aber nicht im run auf die letzten Ressourcen
vor dem ungleich erwartbaren kapitalistischen Gesamtzusammenbruch.

Imperiales Überfressen an Durchmärschen zum Erfolg, wie viel verträgt das
Korporativ-Modell Deutschland eigentlich noch?

Gerade der zunächst vergleichsweise leicht erbeutete Gewinn ukrainischer
Territorien spielte interessanterweise sowohl im August 1918 als auch im
Dezember 1941 und schließlich vorläufig durchaus entscheidend im Januar
1943 eine wichtige Rolle, deutsche Kapitalinteressen im Osten kräftig zu
Fall zu bringen. Die damaligen militärischen Ziele sind inzwischen
wirtschaftlich wieder restituiert worden und die administrative
Unterordnung der Ostmisere kann deshalb technisch vergleichsweise glatt
erzwungen werden. Aber um so tiefer liegen, gerade in
russisch-ukrainischen Interessenlagen von Lohnabhängigen, eben jene
Erfahrungen und Solidarzusammenhänge, die diesen Sieg reichsdeutscher
Waffen und Propaganda nicht das erste Mal entgegentreten. Die Waffen
deutscher Kapitalinteressen sind modernisiert worden aber sie schießen
immer noch im Handumdrehen über ihre Ziele hinaus, weil sie sich in diesen
entscheidenden Tagen mit wenig üblichen Zynismus auf das Kooptieren alter
Kollaboranteninteressen verlassen. Bei der Liquidierung des Aufstands im
Ghetto von Warszawa 1943, dem ersten Flächenbrand im Deutschen
Hegemoniesystem für seinen Osten, nahm die SS ihre ukrainischen und
lettischen Hilfstruppen für das Gröbste. Warum soll was 1943 noch klappte
2014 besser, glatter, netter und kapitalwirksamer funktionieren
ausgerechnet mit einer Hilfstruppe offen erklärter Bewunderern der
Kämpfer für Ukraines Selbstständigkeit von 1943 – unter ihren
schwarzroten Fahnen, kaum anderen, wird seit November 2013 in Kiev
gekämpft soviel Bundeszentrale für Politische Bildung ist hier nötig,
falls es Dir Deutsche Medien noch nicht weitergesagt haben.

Wir kommen noch nicht vom Fleck, und doch: Antifaschistische Skizzen, wie
aus dem ukrainischen Krieg herauszukommen wäre

Etwas frühlingshaftes war spöttischerweise doch in der Nachtluft über
Kievs Arbeiter*innenvierte Nivki, als wir zu viert aus dem Haus traten.
Freitagabend. Die Stunde, in der die Era Janukovi endete. Sie endete
nicht in Bürgerkrieg, sondern in progressiver feindlicher Übernahme der
Staatsmaschinerie. Ihr Ende legte das Fundament für jenen Bürgerkrieg, den
die triumphierende Ultra-Rechten jetzt eh gegen die Interessen
Lohnabhängiger führen, egal ob und wie viel antifaschistischer Widerstand
ihnen dabei in der ersten Phase tatsächlich in ihren Weg tritt.

Die macht liegt auf der Straße. Sie hat scharfe Schusswaffen und
Reservemunition für ein vollausgewachsenes Massaker. Seit zweieinhalb
Monaten wird sie in aller Öffentlichkeit von ukrainischen
Grossunternehmern uniformiert, diversifiziert und bekocht, gewärmt, ja
sogar auf altväterliche Wiese bekirchelt. Alle wesentlichen Hebel, die die
Rechtsradikalen Kommandeure für ihren vorläufigen Erfolg angewendet haben,
haben sie von linken Erfolgen abgeguckt: Machtkartelle zwischen Politik
und Konzernen skandalisieren und privat haftbar machen,
Großmobilisierungen, Platzbesetzung, Protestwohnen, Alltag vorführen, der
an seiner Oberfläche nicht als monetarisiert erkennbar ist. Daneben
Schwarze-block-Strategien bis hin zu individuellem Terror als Methode
(Terror ist immer nur Methode). Das Duett von feist-natonalistischen
Spießbürgerinteressen und fanatisierten Rassisten, die für ihr Abstraktum
Rassenreinheit zu sterben bereit sind, funktionierte als diversity of
tactics in bester Koexistenz und Duldung. Niemand spielte die
Distanzierungsgeige, die bei linken methodenmixen so schnell
Konjunkturwirkung bekommt. Von eliminatorischen Rassisten, die tötend
vorgehen distanziert sich keiner der im Majdan investierten ukrainischen
National-Intellektuellen, kein Pope im sozialen Kriegsdienst, und erst
recht kein Wirtschaftskapitän, denn FirtaÅ¡, Kolomojskij
(de.wikipedia.org/wiki/Ihor_Kolomojskyj), Ahmetov haben die Nazis von
Svoboda ja erst zu einer landesweiten Kraft herausfinanziert aus ihren
jämmerlichen privatunternehmer-Soziotopen im westlichen Armenhaus des
Landes.

Jeder dieser Hebel linker Innovation nutzte die kapitalgestützte
ultra-rechte Kommandostruktur von ihren ersten Schlägen an in völkischer
Verdrehung. Das emotionale Solidarkollektiv ist die völkisch-rassische
Einheit. In dieser Einheit soll genuin neo-liberales Unternehmertum für
Auswahl der Kräftigsten sorgen. Einem unterbezahlten Subalternen, der über
eine gewisse Anzahl ukrainischer Sprachelemente verfügt, kann dabei der
Eindruck entstehen, dass er sich mit gefälligem Sprachmix (Surik) eine
Art zweites Gehalt verdienen kann. Dieses Gehalt besteht aus der
Realisierung von Sachvorteilen aus der Diskriminierung derer, die ihr
Umangsrussisch nicht mit ukrainisierenden Versatzstücken zur
primitiv-formalen Schulpflichtsprache hin abmischen können. Wo das erste
Gehalt, das in Geld ausgezahlt wird, oder nicht, je nach Laune und
Interesselage des Vorgestzten, definitiv nicht zum Leben, z.B. nach
Sowjetstandards, reicht, ist jede Hilfe willkommen und sei es nur Raubgut
aus einem der derzeit in der Ukraine politisch aufgeplusterten Pogrome.
Die Sprachgymnastik, um im guten Ton der Angreifer bestehen zu bleiben ist
nicht schwer für eingeborene aber praktisch unerlernbar für Zureisende.
Ich habs versucht. Du findest schlicht keinen Muttersprachler, der sich
mit Dir hinsetzt und die Schulsprache einpaukt, wenn die Möglichkeit
besteht das ganze auch viel direkter und lebendiger im
Surik-Umgangsrussisch zu sagen. Zwischen Erwachsenen sträubt sich da der
gesunde Menschenverstand. Sowas geht augenscheinlich nur beim bearbeiten
und verkneten williger Kindermasse zu ukrainischen Nationalwachteln. Ich
bin erst seit 1999 in der Ukraine unterwegs, versuchte zunächst
ukrainisch vom Polnischen aus zu lernen, dann vom Russischen. Nach 15
Jahren weiß ich, dass es wesentlich einfacher ist, chinesisch zu lernen,
hier in Kiev. Hundert richtig ulkige Situationen lassen trotz aller
Winkelzüge der übereifrigsten Anpasser an den ukrainischen
Unabhängigkeitston vor allem einen Schluss zu: Sobald auch nur der leise
Verdacht besteht, man könne sich in der dynamisch und kosmopolitisch
versierteren russischen Umgangssprache verstehen, geben Sprecher*innen,
die nicht unter einem direkt politisierten Zwang stehen die ukrainischen
Schulmanieren und sprechen emotionaler, konkreter auch komplexer, auf
einmal entfernt vom Ton der autoritären Examinierungsrituale der auf
Elitesieben gedrillten ukrainischen Schule. Verhindert wird der Austritt
aus der von Primitivismen und Formelhaftem gespickten Schulsprache nur
durch ganz direkten Zwang, z.B. Vorgesetzter hört mit, oder  mittlerweile
gleichbedeutend als Drohpotential  Abhängigkeit von einer der 5 ärmsten
Westgouvernements im Faschisierten Kernbereich der jetzigen
Freikorps-regierung.

Wer jetzt auf der Siegerseite stehen will muss in der Lage sein, nicht zu
mechanisch ukrainische Marker mit den für allen zeitgemäßen Verkehr
zwischen Menschen notwendigen polonisierten und kosmopolitisch-russischen
Umgangssprachen seiner Region zu vermischen. Der ex-Premier Azarov war im
mechanistischen Tonfall seiner Surik-Konstruktion sicherlich an der
Untergrenze der Toleranz, die ukrainische Sozialtechniker der auch nach 20
Jahren weiterhin in Konstruktion befindlichen Zwei-Kasten-Gesellschaft in
Universitäten und Geschäftskarrieren zu dulden bereit sind. Ich habe
gezielt interviewt und recherchiert, um rauszufinden, warum er sich nicht
einen Sprachtrainer nimmt oder die Menschen in einer lebendigen Sprache
anspricht, die über die Grenzen einiger Karpaten- und Pripetdörfer hinaus
verstanden wird, dh. entweder russisch oder eben, wie die Mehrheit der
Lohnabhängigen Lvovs bei ihren EU-Brotherren: Polnisch.

Ethnisierungsfetisch für die Sozialmisere, dringend gesucht,
unbefriedigende Funde

Seitdem Genscher für alle sonst noch interessierten so überwältigend den
Kommunismus gestürzt hat, sind die aberwitzigsten Gründe in Konjunktur
genommen worden, um seinen Nachbarn das Haus anzuzünden und die Nase
einzuschlagen. Im deutschen Erfolgsfall Kroatische Küste 1992 und Krajina
ab 3.8.1995 ging es nicht über Sprache. Das Serbokroatische Sprachprojekt
war seit dem 19. Jahrhundert auf produktiven Austausch angelegt worden.
Zwischen dem Zentralrussischen und seinen Abwandlungsgradienten bis ins
Russinische der Karpaten fand etwas ähnliches schon zu Beginn des 19.
Jahrhunderts statt und anders hätte die russische Literatur wohl auch
nicht diese weltweite Verbreitung und solch umfassende
Alphabetisierungserfolge in der Arbeiter*innenklasse erringen können,
tatsächlich die Kontrollfunktion des Bürgertums zeitweise zu übernehmen.
Anhand Gogols Prosa und ihrer Echowirkung kann sehr spannend gezeigt
werden, wie sogar der high-brow Literaturbetrieb im russischen Weltreich
wie ein Schwamm Ukrainismen aufnahm und nur wenige Jahre später schon als
seine eigenen Manierismen weiterentwickelte. Es ist eine weitgehend
willkürliche Entscheidung gewesen, das Buchukrainisch Poltavas zu einer
zweiten Sprache neben dem Russischen zu konfektionieren. Wesentlich näher
an den regionalen Gradierungen der Vermischung wäre eine
tschechoslowakische Lösung gewesen, die Sprachen als Austauschfreudiges
integratives Gesamtsystem von anderthalb Redeweisen in Beziehung zusammen
zu setzten. Aber wie so oft in den ukrainischen Nominalsiegen war auch
dies ein Pyrussieg. Auch nach 20 Jahren systematischer Verunsicherung
russischsprechender in Pflichtsprache von Schule, Werbung und Kaserne WILL
die Mehrheit im Regionengebilde Ukraine effektiv nicht Buchpoltavisch
(offiziell Ukrainisch) sprechen. Wie im aktuellen antifaschistischen
Mobiliserungsgeschehen ist der erstbeste Notausgang aus diesem
erschreckenden Projekt einer mit leblosem Phrasendreschen
zusammengehaltenen Zwangsgemeinschaft grade gut genug, und dieser
Notausgang ist eben bis nach Kovel an der Polnischen Grenze, wo z.B. auch
eine tschechisch-sprachige Bevölkerungsgruppe auszukommen versucht das
russische. Der grusinische Flaneur Majakovskij bekannte, er würde Russisch
schon allein aus dem Grunde lernen, weil Lenin in ihr so erfolgreich war.
Damit hat er das aktuelle Dilemma der ukrainischen Nazis gut eingekreist.
Bleibt nur noch, den Erfolg Lenins mit Denkmalstürzen und dafür nötigen
Morden an linken Aktivist*innen irgendwie anzukratzen.

Die Farbenrevolutionen sind vorbei. Die Grenzen des farb-revolutionären
PR-Spuks in Serbien (Revolution der Bagger), Georgien (Revolution des
Angriffskriegs gegen Russland unter EU-Flagge), und Julias Zelle (auch in
den USA droht ihr eine) sind offensichtlich erreicht. Mit Farbenrevolution
kommt das rechte Machtkartell EU nicht weiter auf seinem Weg zur
Durchsetzung der von der Bevölkerung Frankreichs, Irlands und der
Niederlanden klar abgelehnten neo-liberalen Konstitution neuaufgelegt in
der Lissaboner Erklärung nun angeblich gegen Außenfeinde als umfassendes
soziales Formierungsprojekt imperialer Weltambition. Die EU-Expansion der
Kapitalinteressen, die nach innen auf spektakuläre Weise nicht
zuendezündeten, setzt im Erweiterungskrieg jetzt auf direkte Kooperation
mit faschistoiden Hilfstruppen und ihrem wirklich erstaunlichen
Terrorpotential. Sie werden umwerfenden Erfolg haben in der ukrainischen
Sozialimplosion. Das zweite ukrainische Tschernobyl 2014, die Kernschmelze
und Kettenreaktion dreister Formen von Machogewalt in allem sozialen
Umgang kann das endgültige Grab der europäischen Sozialdemokratischen
Tagträume werden. Davon kann auch die sozialdemokratische Schwanzpartei
die Linke betroffen werden, die immer noch darauf setzt, eines Tages mal
mit dem Hund zu wedeln. Es ist nicht toll auf den Hund zu kommen, wenn er
schon kaum mehr am Leben ist. Da rettet Andrej Hunko auch kein
berechtigtes Hin-und Herschreien unter löblicher Polarisierung gegen die
perfieden, olivgrünen Svoboda-Krieger*innen im deutschen Bundestag und
ihre Klaquere aus der Globke-Partei der Klitschko-Sponsoren, CDU. Hunkos
Betrag vom 20. Februar war schwach, begann  ganz im Stil der neuen
Rechten hier  mit einer entsetzlich familien-sentimental-selbstbezogenen
Anrufung der zentralen Glaubensdogmen der antikommunistischen
Hegemoniepriester hier im Kessel und endete mit dem wahnwitzigen Appell an
die Herrschaft, doch nicht so sehr Grenzen für Kapitalinteressen
einzureißen, sondern vielleicht mehr solche für die Menschen zu öffnen.
Also ne, sowas von linkischer Koofmich an Niveau. Vielleicht hat er doch
viel mehr gemein mit seinen grünen Banknachbarn als hiesige
Antifaschist*innen? Denn leider, leider, liebe humanistischen
Linksapologeten, sind Kapitalverhältnisse in allererster Linie aus
Menschen gemacht. Und wer freien Verkehr für die zu liberalisierende
Handelsware Mensch und damit ihre abstrakt ausbeutbare Arbeitskraft
fordert, betreibt mit der rechten Hand was der linke Zeigefinger gerade
noch angeprangert hat. Klar hat er das besser gemeint als ers
rübergebracht hat. Ich habe ihn aber nicht seiner guten Absichten wegen
auf diese liederliche Tribüne mitgewählt für seine 4 Minuten ausnahmsweise
mal nen bisschen linker gestrickte Begleitmusik. Für mich ist diese
schwache Show trotzdem (immer noch) kein Grund aus der Partei der Linken
gerade jetzt auszutreten. Im Gegenteil, alle Kräfte, die auch nur den
Hauch eines Verdachts erregen, in den Kämpfen der kommenden Monaten einen
Antifaschismus der Tat für das ukrainische Kampfgebiet wirksam werden zu
lassen, verdienen und brauchen unsere aktive Mitgliedschaft. Raushalten
gibt es nicht. Die Nazi-kommandos gehen von Haus zu Haus, wir zwangsläufig
von einem ihrer check points zum anderen, wir werden demnächst hier was
erleben, was einer Synthese aus Kosovo und Syrien nahekommt. Wir brauchen
jeden, der es mit uns aushält gegen den blanken Wahnsinn dieses
braungesternten EU-Feldzugs.

Wie bewegen wir uns im Vorfeld dieses Konflikts? Ich meine das materiell,
nicht nur materialistisch. Ich habe ein paar Minuten auf dem Weg vom
geputschten Kiev ins noch nicht geputschte Arbeiter*innen-Montangebiet
Krivoj Rog rekonstruiert. Sowas ist unter Umständen so nervig zu lesen,
wie mitzumachen. Wenn Euch die Hutschnur platzt beim Lesen habe ich mein
Agitationsziel erreicht.

Nach russischem Winterdrill hatten wir beim Rausgehen streng darauf
geachtet, dass allen die Mütze richtig saß. Keine modischen
Zwischenlösungen, freie Ohren oder sone Flausen, kommt nicht in die Tüte
wo vor einer guten Woche noch knapp 30 Grad Frost am Morgen in den jetzt
weiter zerfrorenen Arbeiter*innengärten standen. Zumal weil unsere jüngste
Genossin, unser Oktoberchen – Oktobrinka noch keine 30 Monate alt ist.
Wenn wir nicht die Mütze gut zubinden, den Schal ohne Lücken wickeln, dann
werden die Nachbarn einschreiten, Skandal machen, ein letztlich immer
willkommener Anlass für das eingesessene Matronat und ihren verqueren
Helfershelfer und Haus-Quäler vom beiwohnenden Patriarchat, das Heft in
die Hand zu nehmen und alle seinen Befehlsdetails zu unterordnen: weiter
über die Ohren ziehen, unten bündig zubinden, ganz zubinden habe ich
gesagt. Oktobrinka war noch keine 3 Minuten alt gewesen, mir gerade erst
auf die Brust geklatscht worden, da bekam ich schon den ersten Anpfiff
dass ihre Mütze nicht richtig sitzen würde, dabei war sie über den ganzen
Kopf und Rücken behaart wie ein Tigerküken und das spätsommerliche
Krankenhaus wirklich nicht von Frischluft geplagt. Aber Drill ist Drill.
Schonfrist ist nicht vorgesehen.
Wir schwärmten im Schrittmaß Oktobrinkas stöbernd in die Gartenstraße aus,
badeten durch die Luft, die so lau war, grad mal ein paar Minusgrade, die
uns mit Sommerahnung überschütteten, so angenehm fühlten sie sich auf
einmal an. Über der Stadtmitte fortgesetzte Reihen von Explosionen.
Oktobrinka also ist ein Kriegskind geworden. Niemand von uns hätte das vor
kurzem noch für möglich gehalten. Streng legten die Meldungen der mehr
oder weniger untergehenden Staatsautorität nahe, unbedingt zu hause zu
bleiben. Wir wollten nicht auch noch dem Folge leisten. Andererseits war
es für uns und ein paar dutzend Genoss*innen, die wir kurzfristig
telefonisch um ihre Meinung fragen konnten, ausgeschlossen, sich wie die
deutschen Parteipirat*innen oder Olivgrüne Parteibefreier in der
Operationszone der faschistoid befehligten Majdanschützen für
Presseinterviews bereit zu halten, wo auf beiden Seiten ein Menschenleben
niederer Chargen sichtlich so wenig wert ist, grad mal nen interessanten
Hintergrund abgibt. Warum alle unsere Genoss*innen die Faschohegemonie
Zone Majdan meiden? Sehr einfach. Wer dort mitmischen, mitmachen,
selbstverwalten will unter Nazifahnen und völkischem Kommando ist nicht
mehr unsere Genossin, nicht mehr unser Genosse. Verständlich? Wir hatten
uns mit ersten Schritten, trotzig, schematisch, noch unelastisch, also auf
zum 9-stündigen Schienenweg gemacht in die Arbeiter*innenstadt Krivoj Rog,
ins Krumme Horn, die geologisch definierte Schwermetallbasis des einstigen
Sowjetbaus überhaupt, eine Stadt 40 km lang und manchmal nur ein paar
Gartenzeilen und obligatorische Eisenerzhalden breit, eine Stadt von
sechshunderttausend lohnabhängig gehaltenen Proletarier*innen weniger von
ihnen in Lohnarbeitslosigkeit gedrückt als im Westen des Landes nötig, um
die Klassengefügigkeit aufrechtzuerhalten. In Krivoj Rog brummts. Die
Drahtzieher*innen der nun schon knapp 10 Jahre abrostenden orangenen
Revolution haben nach damaliger Machtübernahme das staatseigene
Weltkombinat Krivojrogstal dem Duisburger Kapitalakkumulierer Mittal
zuschlagen können. Und in dessen Interesse kracht es und staubt es jetzt
krebs-, Asthma und Feuerspuckend durch die Tage und Nächte über den
Stahlarbeiter*innen-Wohnzeilen der südrussisch-ukrainischen Stadt. Dahin,
in den industriellen, den mit noch mehr Wärme russisch sprechenden Süden,
in die gewissenhaft verlorene Provinz, dahin wollen wir, mein Geliebter,
ziehn. Wollen doch mal sehen was die Bürgerkriegsmobilisierung fern der
Westbotschaften und der Gier ihrer Fernsehkameras mit den Objekten ihrer
Lustfixierung noch so anstellt. Wollen doch endlich mal Subjekte ihrer
Geschichte sehen und nicht mehr nur Kälber in steif festem Tritt wenn der
Metzger der Adenauerstiftung sie ruft (das Fell für die Trommeln, das
liefern sie selber).

Und wir haben sie gefunden: die Verständigungsfertigkeiten der
lohnabhängig gehaltenen Klasse. Wir haben ihre wirkliche Lust auf realen
Kommunismus gespürt, der immer und immer wieder neu zu machen ist, und
ihre antifaschistische Solidarität für den Weg dorthin. Es gibt sie. Dass
wir sie wochenlang nicht hörten liegt an unseren zugerichteten Ohren. Dass
wir sie tageweise nicht erkannten lag an dem Werk den paramilitärischen
Blendgranaten im Fernseh-Direktübertragungsfeuerwerk der hauptstädtischen
Eitelkeiten. Und wir bekamen dabei freilich die Bestie selber vor die
Nase. 300 besoffene Nazis, zum Teil mit Bussen rangekarrt, im ersten Hotel
der Stadt zum Übernachten ausgehalten von Figuren die nicht schlecht Geld
verschieben, dabei präzise dirigiert von hart trainierten Chefideologen
und Einheizern: Lyncht die Kommunistenschweine! Jetzt, macht sie kalt,
jetzt, jetzt! Damit waren wir gemeint, die 25 letzten vor dem
Leninstandbild von Krivoj Rog, das Gesicht unseres 19jährigen Genossen mit
dem schönen polnischen Rufnamen Stas schon blutüberströmt, die Tierärztin,
Olla, neben mir stößt ein letztes Mal die Leiter um, mit dem der
Motoradbehelmte die plasteummantelte Stahlschlinge um das Genick unseres
Genossen Illich legen wird. Er fällt noch mal. Nicht mehr lange. In seinem
Suff des gewaltigen Erfolgs merkt er es nicht richtig. Olla wird von
anderen gezielt gepackt. Es gibt genau koordinierende Nazis in der
scheinbar formlos brutalen Bewegung. Sie haben Olla erkannt als
Haupthindernis auf ihrem Weg nach oben, die Schlinge um den Hals zu legen
und zuzuziehen. Die Körperbewegungen von Ollas Verfolgern sind dem
Prädatorenarsenal ritualisierter Vergewaltigung verpflichtet. Die
Rentner*Innen an unserer Seite mit eisernen Nerven, die nur noch jene
Sowjetkinder haben, die vor oder unter deutscher Besatzung geboren wurden.
Die standen neben uns bis sie halt von den Angreifern hingemäht wurden.
Ich habe keinen Augenblick bemerkt, in dem ihnen ihr Leben zu schade war
für unsere gemeinsame Sache. Bei den jüngeren ist das noch nicht so
einfach, noch kompliziert, bewegt sich nur in Sprüngen, wahnsinnigem
Herzschlag. Sie quälen Olla, zerbrechen fast die Armknochen, so sehr
entspricht die Zwangs- und Klemmhaltung ihren Rollenerwartungen. Erziehung
zum Vergewaltiger ist die deutlichste Mitschuld der ukrainischen
Nachwendegesellschaft bei der derzeitigen Faschisierung. Wie beim ersten
Tschernobylgeschehen wird dafür nicht nur die Ukraine zu bezahlen haben.
Als wir trotz allem, trotz des 300fachen, handgreiflichen Wunsches, uns
mitaufzuhängen doch noch einmal lebend rausgekommen waren und prompt uns
über unser Lebendigsein wieder zu wundern begannen  diese unsagbare
Lebensfreude am Rand ihres Abgrunds … fingen wir auch schon an, Olla
auszufragen, woher sie diesen unglaublichen Mut herhat, immer wieder
weiterzuwirken gegen den Klassenfeind, wenn er ihr nur ein paar Zentimeter
Bewegungsmöglichkeit lässt. Ihre Antwort gab sie am nächsten Tag, über
einem Teller Buchweizenpapp: Ich arbeite jeden Tag mit Schweinen,
kastriere noch von Hand, 12-Stunden Arbeitstag ist üblich bei uns, drei
Stunden an- und heimfahrt, Krivoj Rog ist so unpraktisch langgezogen, 1oo
Euro im Monat, nicht immer wird auch ausgezahlt. Mach ja auch noch die
Buchhaltung im Mastbetrieb (nicht im Schlachtbetrieb). Auf jede Kopeke
Lohn von uns allen Arbeiterinnen zusammengenommen macht der Mäster das
etwa zwölffache Profit. Ich mach auch die Lohnverhandlungen, die anderen
sind dafür zu eingeschüchtert, die schieben mich nach vorne, bei der
täglichen Scheißarbeit im Stall, weil ich die Tierärztin bin, sagen sie;
und bei der monatlichen Scheißarbeit gegen das verwöhnte Portemonnaie vom
Chef, da sowieso, könnte ja Entlassung nach sich ziehen zu sagen was wir
denken.

Marina Achenbach hat anhand ihrer wenigen eigenen Fehler aus dem
jugoslawischen Zusammenbruch der 90er Jahre erzählen gelernt für den
Deutschen Bürgernepp, der unsere Umgangs-Sprache als Geisel hält, sobald
sie uns aus ihren proletarischen Produktionsbedingungen der
Klassenwirklichkeit herausgerinnt. Martin, völlig verquer. Keiner kann
Dir folgen wenn Du das so machst. Erst die Pointe, dann nochmal
chronologisch mit diesen Kleinstschritten und ihren
ungeduldig-assoziativen Veitstanz-Sprüngen! Freie Assoziation freier
Klassenstandpunkte des kämpfenden Proletariats. Ein Bild schärfster
revolutionärer Dissonanz. Vergiss es, nicht im deutschen Schriftbild,
nicht mit den sagenhaft verinnerlichten Bürgerzensoren all derer, die es
mal wirklich anlesen könnten.
Wo sie eh alle nur immer wieder anlesen und dann die Beleidigten spielen,
die um ihre gewohnten Lesegefühle betrogenen, machen wir das Gute halt
nebenbei. Mach was Du willst, ich und viele andere wird das kaum mehr
irgendwie beschäftigen. Weil ich kein Unternehmer bin, sondern
Lohnabhängiger, nicht mal unternehmerisch im linken
Schrebergärt*innenwesen deutscher Nationen. Deswegen werde ich Euch nicht
die Beschäftigung verschaffen helfen, die ihr Euch angewohnt habt. Wacht
auf aus Eurem träumen, denn Eure Träume sind schlecht! Das genau wird
die unternehmerisch-olivgrüne Fraktion von Deinem Leninbild sagen. Eine
notwendige Polarisation. Im Klassenkrieg ist Polarisation bisweilen im
Interesse der werktätigen Klasse. In solchen Fällen werden wir
unerbittlich zuzuschlagen haben. Repression gegen Faschisten? Wo immer nur
möglich sofort und auf der Stelle. Schlagen wir sie wo wir sie treffen!
Weichen wir ihnen nur dann und dort aus wo es ihnen passen könnte, uns zu
treffen. Krieg dem Faschismus paneuropäischer Kapitalinteressen! Klasse
gegen Klasse. Sie haben uns für sturmreif erklärt. Wollen doch mal sehen.

Ich bin kein Gast im ukrainischen Klassenkrieg. Ich wohne hier. Ich bin
ein Teil der Widersprüche, die täglich leben beenden. Und wichtiger noch,
ich bin Teil linker und klassenbewusster Solidarzusammenhänge, die den
Umschwung der rechten Generaldynamik herbeiführen können. Ich bin nicht
auf der Deutschenliste für dessen Erweiterung die Referenten der 5.
Kolonne auf den schmierig majdanisierten deutschen Botschaftsseiten
unentwegt werben. Lassen sie sich eintragen in die Deutschenliste. Meiden
sie Reisen in die Ukraine wenn Ihr äußeres nicht europäischer Norm
entsprich, raten sie klugscheißerisch. Seit Majdanbeginn, so referieren
sie, häufen sich die Angriffe auf auch EU-Passträger*innen mit
nichteuropäischen Aussehen, so die Botschaftsseiten des deutschen
Auswärtigen Amts für das reichlich kühn geplante Anschlussgebiet Ukraine.
Und sie fügen ihrer Reisewarnung mit dem klebrigen Lächeln eines eben
bisweilen amtstonelnden Fascho-Dorfbullen an der noch-Neissegrenze
vertraulich augenzwinkernd hinzu: Ein fremdenfeindlicher Hintergrund ist
nicht
auszuschließen..(http://www.auswaertiges-amt.de/DE/Laenderinformationen/00-SiHi/UkraineSicherheit.html)
So ein Rat vom hauptamtlichen Streichholzgeber (wie Jugoslawien 1992: die
Amis stellen nur die Benzinfässer, den streichholz schmeißt der deutsche
Biedermann) wird befolgt. Fremd wirkt nur noch das nichteuropäische
Aussehen mancher Untertanen im Expansionsgebiet. 1929 wurde im Umland
Krivoj Rogs der erste Jiddische Rajon der Welt ausgerufen. Seine
Räteverwaltung im Hauptort (damals auf jiddisch Stalindorf, heute
ukrainisch Oktoberdorf, Žovtnevoe) setzte sich aus 23 einzelnen Dorfräten
zusammen: einer verhandelte den überlieferten Protokollen nach auf
russisch, zwei auf deutsch, vier auf ukrainisch und 16 der Einfachheit
nach in jiddisch, der Mehrheitssprache. Alles Land ab ein paar Kilometer
südlich Kiev war im Hochbarock Teil der osmanischen Toleranz. Darum war
sie wirklich gross, die Verlegenheit der Zerbster Rekonquistadorin im
Osten, Ekaterina Velikaja, gross: womit die Einöden füllen, die ihre
erzbrutale Kriegspolitik geschaffen hatte? Ekaterina besann sich auf ihre
Untertanen letzter Klasse, ihre dummen Judenbengel (Rückübersetzung der
Quellensprache). Generation auf Generation wurden sie nun in die Roterden
um Krivoj Rog zwangsumgesiedelt, um meist schon nach wenigen Missernten
auf der eisenlastigen Erde neuem Zuzug Platz zu machen. Dieses
Kolonisationsprojekt  aus den Ghettos in die Landwirtschaft  war nicht
nur phänomenal einmalig für das gesamte Zarenreich, es war angesichts der
Bedingungen für Landwirtschaft in der roten Steppe auch ausgemacht fies.
Es reichte in dieser Erde mit Landbau nicht wirklich zum Leben, es reichte
aber sehr wohl zum Sterben unter diesem pan-europäischen Regime, dem
Voltaires Rat, klug und teuer, einfühlsam mit den Sorgen der Großen Zarin
zur Seite stand. In solchen mies gehaltenen Gegenden schossen die
Sozialverhältnisse des entstehenden Weltverbunds kapitalistischer
Produktion wie Pilze aus kongenial vorbereitetem Boden. Und für beide
Rollen gab es nur ein und dieselben Dörfer und Städtchen, um die ersten
Statisten zu stellen. Die industrielle Ausbeutung von Krivoroer Eisenerz
brachte jüdisch bekennende Bergingenieure in Einsatz gegen jüdisch
sozialisierte Bergarbeiter*innen. Aleksander der Zweite erkannte
daraufhin, dass sich sogar in dieser Gruppe von Outcasts, die seine
Vorgänger*innen in die rote Steppe gezwungen hatte, sich das Teilen und
teilend Beherrschen lohnen würde. Und während in Wien nur mehr die lumpige
Oper Roma zu Zigeunerbaronen über andere zu erheben wusste, wurden in der
Eisenerzstadt Krivoj Rog nun nach zarischem Willen tatsächlich auch echte
Judenbarone über das entstehende Schlotregime gesetzt. Weil aber der Laden
so für die Kassen der Selbstherrschaft noch mehr zu brummen versprach, gab
es auf einmal sogar Bürger*innenrechte für Jüd*innen im Umkreis der Stadt,
die ihnen allerdings bald wieder abgenommen wurden. Der 4. Stand malocht
seitdem bis hinein in die miserablen Lohnverhältnisse des letzten
Jahrzehnts, nun erzwungen von der Duisburger Mittal, ohne substanzielle
Bürger*innenrechte; gewerkschaftliche Organisationsrechte gewährt sie
nicht mal dem Anschein nach.

Der Vormarsch der deutschen Wehrmacht in die Montanregion war das Ende der
jiddischsprachigen Mehrheit. In einer ersten Sammelerschießung wurden
15.000 Sowjetbürger von den deutschen Besatzern umgebracht. Warum?
Offiziell weil mindestens einer ihrer vier Großeltern etwas mit den
Synagogen der Region zu tun gehabt hatte, so die Annahme der
Exekutivmaßnahme auf Grundlage der Globke-Kommentare des Nürnberger
Gesetzgebungsprozesses. Kinder im Schulalter wurden gesondert gesammelt
und erschossen. Die letzten überlieferten Fotos ihrer Gesichter hinter
deutschem Stacheldraht vergisst Du Dein Leben nicht wenn Du sie einmal an
Dich herangelassen hast. Es gab Widerstand, auch bewaffneten und
hochgradig organisierten gegen die deutsche Politik in Krivoj Rog 1941 bis
22. Februar 1944. Und doch konnte auch er die Interessen der Mehrheit
nicht gegen die der militarisierten Minderheit durchsetzen. Wer unter der
Globke-definierten Zielgruppe die ersten Erschießungen überlebt hatte
wurde plangemäß im Wirtschaftsbetrieb der Wehrmacht für den Straßenbau
nach Osten vernutzt. Die einzelnen Lager wanderten nicht lange mit den
Straßenbauabschnitten in Richtung Osten, sobald die durchschnittliche
Arbeitsleistung nachließ wurden auch sie in Massenerschießungen
liquidiert. Im Stammlager 338 wurden als erstes Krankenschwestern,
Ärztinnen und Ärzte unter den Zwangsarbeiter*innen ausgesiebt und sofort
erschossen, die Fähigkeit der Lager, ihre Gesundheit zu erhalten bei der
ungeheuren Arbeitsbelastung sollte von vornherein gebrochen werden. Den
Tag der Befreiung durch die Rote Armee, den sagenhaften 22. Februar 1944,
erlebten letztlich nur jüdische Widerständsarbeiter*innen, die in der
Illegalität gegen den deutschsprachigen Klassenfeind operierten. Die
sieben+ Lenindenkmäler, die in jedem Rajon des Stadtgebiets während der
unmittelbaren Folgezeit der Befreiung auf den Denkmalsabrissen von 1941
entstanden, waren auch Teil des Vermächtnis dieser jiddischsprachigen
Partisan*innen. Und als wie weise erwies sich für die einstigen
Pionier*innen des jiddischen Rajons Stalindorf, dass sie schon vor dem
Jahr 1948 und seinen unheimlichen Kampagnen gegen gewisse
Kosmopolit*innen (nicht Ehrenburg) und später Ärzt*innen (1953) eben
nicht Sosso, sondern Vovik in ihren wiedergewonnenen Stadtraum
konstruktivistischer Planungslinien stellten. Fast 70 Jahre gab es
augenscheinlich keinen Grund, an dieses Vermächtnis zu rühren. Ausgerchnet
aber zum 70. Jahrestag letzter deutscher Militärdiktaturverhältnisse in
Krivoj Rog, und das wirklich nicht zufällig, holten zahlungskräftige
Kreise in mehren Dutzenden Autobussen Sturmabteilungen in die Region,
brachten sie auf ihre Kosten im zentralen Hotelkomplex der Stadt unter und
organisierten unter Naziflaggen und SS-Rufen den Sturm auf das
Nachkriegsvermächtnis in Form Lenins am Ausgangspunkt der
kastanienumsäumten ulica Revoljucionnaja. Wie wird so was gemacht? Was ist
das, kapitalgestützte Nazihetze 2014? Auf was für Gesichter trifft die
Offensive? Wie sieht ihr Leben aus, wie könnte es werden, wenn statt
dümmlichem Denkmalsturz doch endlich mal Kapitalmachtsturz auf die
Tagesordnung der Malocher*innenstadt käme? Antworten müssen wir uns
erlaufen. Fast alles ist zufällig bei der stets nötigen Neuerfindung
proletarischer Klassenpolitik. Sehr vieles ist dabei aber auch regelrecht
absehbar: es gibt Bewegungsgesetze, politische Ökonomie persönlich
leistbarer Mobilisierungen, und schließlich gibt es eine Schutzmacht von
Kapitalherrschaft: den modernen Staat. Wie verhalten sie sich hier
zueinander? Warum kippt der letzte grad sichtlich aus den Latschen oder
muss nur einmal mehr alles sich wandeln, damit alles für die alten Knacker
im Herrschaftspersonal des Verwertungszyklus aber auch alles beim alten
bleiben kann? Ein herausragender Vertreter dieses alten Personals, den wir
unterwegs treffen und sprechen werden, ist  laut offiziellen Quellen
übrigens Jahrgang 1977, ausgesprochen streng ortodoxer Synagogenbesucher.
Mit uns treffen am Samstag war schon im Vorzimmersekretariat völlig
undenkbar. Also Sonntag nach der Aktion. Seine Synagoge steht im
historischen Stadtkern von Krivoj Rog. Sie ist eine der größten ganz
Osteuropas. Sie ist erst wenige Jahre alt. Der Exponent der herrschenden
Partei Janukowis hat sie sich selber gebaut und  meinen einige  auch
sich selber zu Ehren benannt. Das ist nur halb richtig, denn offiziell
heißt sie nach seinem Großvater, dessen Vorname eben derselbe ist, den
sein Enkel führt. Wir hören eine Ukrainerin im Krankenhaus plaudern, die
in diesem Synagogenbetrieb per Lohnverhältnis ausdrücklich als Nichtjüdin
gebraucht wird irgendwer muss schließlich Samstags was ein- oder
ausschalten dürfen. Und schließlich erkennen wir bei dem kleinen
Krankenhausklatsch die Fragerin: unsere ebenfalls proletarische Olla, sie
liegt im Krankenbett nebenan und lässt sich einiges durch den Kopf gehen
(woraus sie, wie in Arbeiter*innenfamilien üblich, selten einen Hehl
macht).

Die Luft war dick über Kiev und zwischen uns, da half kein Anflug von
Pirolgesang und Birkensaft. Lewins Mühle war den Bach runter. Im
Mischwahlkreis Kiev-Zentrum, zu dem auch unsere Peripherie im
Nachkriegs-Gartenland-Schatten der Antonov-Flugzeugwerke gehört hatte ein
offen bekennender Nazi, Levenko hatte offiziell über 30.000 Stimmen
bekommen. Im Exitpoll waren sogar über 51% für ihn aussagebereit. Deswegen
kann schon angenommen werden, dass sein Wahlergebnis um runde 7% nach
unten korrigiert wurde. Eine Neuauszählung hat das Gericht aus
ausgesprochen formalen Gründen abgelegt, die Nazi-Beschwerdeführer seinen
selber im Kreis nicht wahlberechtigt. So, und jetzt bitte schnell eine
Meinung, war es in den frühen 30er Jahren im deutschen eventuell legitim
öffentliche Wahlergebnisse zu fälschen, damit ein Nazi nicht in den
Reichstag einzieht? Unser Wahlkreis 223_ war eine von 5 Nachwahlmandaten
und damit hochgradig überbewertet mit Kaffeesatzlesender Aufmerksamkeit.
Die Adenauer Stiftung mit ihrer haudrauf-Partei Udar und die orangene
Oligarch*innenmischpoke Vaterland waren als geeinte Rechtsopposition
mit der Nazipartei Svoboda angetreten. Dass in Kievs Zentrum und seiner
einstigen Flugzeugarbeiter*innenvorstadt Nivki diese unheilige
Rechtsallianz auserechnet einen Jungnazi aufstellt war nicht zufällig. Der
Fang war dort angesetzt, wo es etwas zu fangen gab. Kurz vor unserer
Abfahrt aber packte Mašas Mutter (Schreinertochter, selber Buchhalterin
auf Kurzarbeit) aus: keiner in dieser beschaulig-popeligen Gartenstrasse
ehemaliger Arbeiter*innenhäuschen und ihrer Bauherrennachfolger hatte für
jemand anderes gestimmt als den Nazi, soviel war unter der Hand bekannt.
Und Mašas Eltern fanden auch, es sei der beste von 70 (!) zur Auswahl
stehenden Kandidaten gewesen. Damit kamen sie auf einmal heraus. Etwas
ähnliches hatte ich drei tage vorher in einem Fascho-völkischen
Diskussionsforum Ukrainiskij dom erlebt, wo schmierliberale
Linksintellektuelle (Zeitschrift Spilne) und trotzkistische
Super-Entrist*innen (leva opposicija_) ihre halbe Stunde Kasperei bekommen
hatten und das  alle waren baff erstaunt  ohne einen Prügelüberfall.
Später war klar geworden warum die Auftragsmörder der Nazipartei
Svoboda, zum Beispiel ihre Elite-Schlägereinheit C 14 unter ihrem Führer
mit internettspitzname Vorteks (benannt nach seiner Schlagtechnik, die
selbige bei den politischen Abschusskandidat*innen durchschlägt) an diesem
Termin noch nicht eingesetzt wurden, obwohl die Aufklärungsabteilung der
Parteiführung und ihre langjährigen Kontaktpersonen ins linksliberale
Spektrum (Kosteleckij_) den Vorgang genau begleiteten und koordinierten.
Mord und Totschlag war für den Folgetag zum Parlamentssturm so massiert in
Vorbereitung, dass ein bisschen Pluralismus im völkischen Betrieb im
Vorfeld ganz recht kam zumal die sich sichtlich, mit zittrigen Stimmchen,
in-die-Hose-scheißenden Vorzeigelinken, trotz ihrer musterliberalen
Guardianauftritte etc., im völkischen Rahmen nur sagenhaft verwunden
auszudrücken vermochten. Sie wollten doch zu bedenken geben, dass die
sozio-ökonomische Frage bei Protesten, auch rechten, nie so hinter rein
völkisches zurückgetreten war in den letzten Jahren wie beim
Majdangeschäft. Niemand der herumsitzenden männlich-rechten Schwerenöter
und, wie sie später zum besten gaben, als sie auf ihr einziges soziales
Thema kamen, kaum beschreibbar aggressiven
Abtreibungsgegner-um-jeden-Preis, konnte oder mochte begreifen was die
linkstheoretischen Platzhische und Hirschinnen der gefällig
ukrainisch-neologisierenden Gelehrtenrepublik mit ihren
bemüht-politologielastigen Leerformeln wollten und das hielt ihnen
bestimmt unter anderem auch viel persönlichen Ärger an diesem Abend vom
Halse. Ich bewundere alle 4, die sich da auf die Bühne gesetzt haben. Es
wäre toll, sie nutzten ihren sagenhaften Mut für linke Interessen und
nicht für rechte Fortbildungsveranstaltungen. Viktor, ein Bibliothekar mit
Schwerpunkt 17. Jahrhundert, raunte mir später zu, das war so furchtbar
mit anzuhören, diese Diskussionsrunde, von denen ist nichts linkes mehr
übriggeblieben. Ja, diese einstigen Kontrahent*innen sind unter den
überlebensgroßen SS-Heldenportraits, unter die sie die Majdan-Regie
gesetzt hatte ganz in sich zusammengeschmolzen, nur noch fließendes Wachs
im faschistoiden Teig. Mitterand in Vichy stelle ich mir so vor. Aber für
präzise Vergleiche fehlt mir der Überblick über rechtssozialistische
Verdrehungs- und Verrenkungsmöglichkeiten des menschlichen Körpers. Und
während die Kerzen unter den SS-Bannern in sich zusammenschmolzen erklärte
mir der begeisterte Ukrainisch-Redner (wenn keine Fernsehkamera läuft
spricht er wirklich ausschließlich russisch) Andrij Movchan, Platzhirsch
im anarchisierenden Stundentenverein (freie Gewerkschaft) Direkte Aktion
(PD) die Sicherheitslage wie er sie sieht. Als ich zurückfragte, warum er
glaubt, die Psychologie und Schlagstrategie des Gegners Vorteks so gut
einschätzen zu können, richtete sich Andrij auf einmal sehr selbstbewusst
empor. So hatte ich ihn noch nicht gesehen all die 4 Jahre vorher und
erklärte mit klarer fester Stimme: weil ich selbst voher in der
Sturmabteilung http://www.unaunso.org organisiert war. Ich war Rechter. Es gibt
einige wirklich gute Antifaschist*innen, die als Überläufer aus dem
rechten Lager angefangen haben. Es gibt auch passende und unpassende
Momente so was halböffentlich zu machen. Dieses abendliche Rattenrennen
der Anpasser an den völkischen Machtdiskurs in der rechtsradikal
geframeten Speakers Corner aber schien vor allem Andrij ganz gut so zu
passen. Für ihn kamen an diesem furchtbaren Abend endlich zwei Welten
zusammen und der alte Boss blieb aus, gar kein schlechtes Ergebnis. Ich
habe nachgefragt um sicherzugehen, ob er das wirklich so meinte. So ist es
in der Ukraine nach dem rechtsdynamischen Tschernobyl-II: Du wirst nie so
viel essen können wie Du kotzen musst.

Als ich mitgeteilt bekommen hatte, dass zwei Grosseltern Oktobrinkas in
Kiev mittlerweile für Nazis stimmen, bat ich, nicht kommentieren zu müssen
und schloss mich, weil in Arbeiter*innenfamilien der Stadt so nicht
einfach die Unterhaltung gekappt werden kann in einer Kammer ein. Der Rest
ging dann nur noch per Verhandlung mit Parlamentären. Erst kam raus, dass
der Opa zwar wohl erklärtermaßen gern für den Nazi gestimmt hätte,
leider aber in einem anderen Wahlkreis gemeldet sei. Die Oma dagegen
hatte das Schließen der Wahllokale bei der Anfahrt verpasst, hätte aber im
erfolgsfall für den Nazi gestimmt. Das gab mir die Möglichkeit, unsere
Sachen für die Abreise in den Süden fertigzupacken mit folgender
Schönfärberei. Materialist*innen interessieren sich für schlechte Taten
und ihre Folgen. Schlechte Absichten sind was anderes. Allgemeine
Erleichterung im Grossfamilienkreis, dieser Kelch war also am kleenen,
seit 68 Jahren hier verbandelten und über die Straßenecke verschwägerten
Gemeinwesen vorübergegangen. Eine Scheinlösung, wie so vieles was wir
derzeit in der Ukraine anstellen, um nur vom Fleck zu kommen und nicht zu
reinen Miesepetern, die nur noch reine Westen fordern. Mit einer reinen
Weste ist es offensichtlich nicht getan. Großonkel Oktobrinkas, Andrij,
zum Beispiel ist nicht wählen gegangen, seine politische Stellungnahme
war, bei Beginn der Massenschiessereien im Stadtkern das erste Mal in 4
Jahren seinen Kleinwagen nicht mehr im Gemüsebeet seiner Schwester zu
parken, sondern in die Garage reinzufahren. Dafür mussten einige Bretter
umgeräumt werden, etc. also niemand hätte gedacht, dass er diese soziale
Leistung vor den 2. olympischen Winterspielen noch hinbekommt.

Dass die materiell vorgespurten Kleinlichkeitsverhältnisse von
Arbeiter*innenvierteln stets auch ins Kleinbürgerliche herüberchangieren
(ein Lotto-Gewinn trifft da regelmäßig ins Schwarze) ist aus historisch
konsequenter industriellen Verhältnissen in Deutschland bekannt. Wir leben
hier in den Kiever Favelas der Nachkriegsjahre aber förmlich in
aufgemotzten Schweinekoben und Hühnerhäusern, Taubenschlägen (essen
woanders und bringen den kleinen Braten auf weißen Flügelchen nach Hause),
in ehemaligen Truthahnbrütern für längst vergangene
Schwarzmarktoperationen und ziehen krumme Petersilie in gerade erst
trockengelegten Entenpfuhlen. Solche komplizierten Amphibienverhältnisse
sagen aber noch nichts über mögliche Luftsprünge in klassenlose Existenz
voraus. Auch hier wäre Kaffeesatzlesen nicht die richtige, die
materialistisch notwendige Systematisierungsart ethologischer
Frosch-Beobachtung, oder?
Wichtig ist, aus solchen Verschachtelungen zwischen Lohn- und abgeleiteter
familienförmiger Feudalabhängigkeit herauszukommen, in einen allgemeineren
Zusammenhang als lohnabhängige Klasse zu treten, die wesentlichen Linien
des Kampfes um die Interessen dieser Klasse zu erkennen und zu verfolgen,
ohne sich vom Kleinbürger*innenmief vordergründiger
Deklassierungsvermeidungsstrategien gleich um die Ecke bringen zu lassen.
Aha, bin ich jetzt selbst schon im Verharmlosungsgeschäft der
neu-ukrainischen Spiessermafia investiert. Nein. Zwar verkenne ich nicht
das Ansteckungsrisiko, aber ich kenne die Phänomenologie des
Krankheitsverlaufs zum sozialen Tode des Besitzstandsbürgers gut genug, um
die Symptome früh ernst zu nehmen. Jedes Besitzdenken, jede Sehnsucht nach
Ruhe, nach kreativem werkstattraum und sonstigen bourgeoisen Eseleien
kreiden wir uns an, machen wir uns kaputt, weil wir wirtschaftlich und vor
allem klassentechnisch nicht die Fundamente für die hinter solchen platten
Sehnsüchten nötigen persönlichen Ausbeutungsverhältnisse legen. Wer hat
Angst vorm Beobachter-Spiesserdasein? Niemand. Und wenn wirs plötzlich
geschenkt kriegen, weil die herrschende Polizeigewalt z.B. eine Woche
faktische Ausgangssperre voraussetzt (ohne sie zu erklären)? Dann rennen
wir! Wohin? Weg!
Du rennst nicht einfach aus einem Bürgerkrieg, schon alleine weil Du
selbst ihn mit Dir herumträgst. Als wir in die Metrogitter kamen waren wir
schon wieder mittendrin. Nur 7 Stunden später war der wackelige Pakt
zwischen blauen Masodonten und Faschos unter Steinmeier-Regie schriftlich
besiegelt worden, schon war der strategische Eingangspunkt zur Metro, wo
sonst immer von Zivilbullen Schwarzfahrer abgegriffen wurden eine
Fascho-Patrouille aufgestellt worden. Zwei junge glattgescheitelte standen
mit Helfer-Armbinden Spalier und zeigten ihren hormonbedingten
Hähneschmuck, die Euro€”Breitschlagswilligkeits-Bändelchen, die wirklich
niemand mehr trägt, sonst. Interessanter Reinfall. Waren aufgelegt worden
wie die orangene Sündflut vor 10 Jahren aber keine, keiner nahm den
Scheiss diesmal. Und die 2 von hundert, die sie in den ersten Stunden der
EU-Kriegsführung hier anlegten hatten sie ruck zuck auch schon wieder
abgelegt. Die Gründe dafür sind nicht zu erraten. Ein linker
Internet-Sitzer von Marxens Gnaden recherchierte sich folgende Theorie
zusammen: es gab Fälle, wo speziell Autos in Brand gesetzt worden waren,
die diese blöden Euro-Farben, bzw. Ukraine-über-alles-Banner (offizielle
Majdan-Losung) an ihren Antennen durch den superüblen Abgasdreck ihrer
Dauerstaus spazieren fuhren. Witziger als diese Blechverlustserie ist die
Verschwörungstheorie bestimmter linker Computerbesitzer dazu: demnach
hätten Majdan-Aktivist*innen diese Autos von (mehr oder weniger)
Protest-Kolleg*innen in brand gesteckt, um zu zeigen, wie gewalttätig
Anti-Majdan gegen Eigentum vorgeht. Effekt dieser false-flag-attacks
seinun aber wieder dass gar niemand mehr diese Farben in seiner Nähe
wissen möchte, es sei denn beim Abfilmen auf dem kurzlinsigen
Kamerazirkus, der in zweieinhalb Innenstadtsträßchen, im wesentlichen aber
auf dem Edelkaufhausdach Majdan zum besten gegeben wird. Dort kann es
gar nicht genug sein, horizontal schwarz-rote Nazi-fahne und blau-gelbe
Ukraine-über-alles-Fahne stets inszenierungsbedingt engverschlungen. Das
Geschehen vor den superauflösend kurzsichtigen Linsen aber hat sehr wenig
mit den waren gesellschaftlichen Kräfteverhältnissen und ihren
Umlagerungen zu tun, denn die gehen über den Arbeitsmarkt und seine
Vorteilsnahmen. Lohnabreiter*innen konnten auf dem majdan nicht mehr als
9% gefunden werden, doppelt so viele sollen leitende Angestellte sein und
der Rest freies Unternehmertum, also Lohnschinder*innen, verschiedener
Mobilfunkqualitäten, vom Kiever Immo-besitz-er bis zum Lumpenproletariat
des ukrainischen Armenhauses, der 5 streng-faschistoid erziehenden
Westgouvernements, deren einziges Unternehmen so gross ist wie genuin
unerfüllbar, da aus bloßer Luft gemacht, nicht mal besonders heißer: das
national-ukrainische Hoheitsgebiet, einfach nur gereckte Brust,
Gorillapose und ein paar ethno-Plattitüden, die Westlern vorführen sollen,
dass die Lumpern auch ihnen so aus der Hand fressen werden wie denen, die
ihnen jetzt Helm und Brei bezahlen beim Militärrekruten-Totkloppen.
Totkloppen ganz besonders nach deren Vereinzelung. Das erstaunte uns sogar
noch beim blutigen Anmarsch der stürmer in Krivoj Rog: sie schlagen mit
ungeheurer Feigheit, die wirkliche Kraftentfaltung, die dann tödlichen
Tritte, das Abschneiden von Händen Füßen, Augen wird für sie erst aktuell
ein wenn sie den Gegner vom Anti-Majdan einzeln, isoliert am Boden liegen
haben. So lange Du, geschweige denn Bestehende sich noch richtig wehren
könnten sind sie eher Hunden ähnlich unterwegs in ihrer
Verletzungsabsicht, vorwärtspreschend mit tollen Bissen, in denen die
Kühnheit die eigene Angst kurzwellig überlistet, und immer wieder gleich
danach auch schnell wieder ganz weg. Das sind die Bewegung einzelner. Die
Bewegung als Masse wird von strengen Kommandoverhältnissen bestimmt und
nutzt Erfahrung professioneller Offiziere, die unter Kombination der
sonderbaren Einzelschlagfertigkeiten über dutzende Stunden und ganze Tage
bestimmte Linien halten können.

Nehmen Sie bitte die Fahnenbänder ab, wenn sie in öffentlicher Funktion
jetzt hier rumstehen. Versuchte ich einen der neuen Beigeordneten der
Metroautorität zum Reden zu bringen. Der aber verstand seine
Propaganda-Funktion besser. Schon in wenigen Sekunden kommen neue hunderte
von Vorübergehenden, die sich unter seiner Autoritätsposition loyal
verhalten werden und so das Bild der beherrschung wieder herstellen.
Gestern und in der Nacht noch haben einige unter ihnen, von denen sie sich
nicht distanziert haben gemordet soviel sie konnten, noch 18 Stunden gibt
es eine Amnestie für Besitz und Transport erbeuteter Mordwaffen und schon
spielen sie die Friedensregulierer des Nach-Kriegs. Die Faschisierung der
Nachkriegsukraine hat noch keine definitiven Formen, das sie eintreten
wird scheint unausweichlich, wenn eine soziale antifaschistische Position
nicht die Oberhand zurückgewinnt in den alltäglichen Zusammenstößen.

Unser Sammelpunkt für Aktivist*innen der Hauptstadt, die mit nach Krivoj
Rog kommen wollten, war im Büro der Kleinstpartei borotba vorgesehen,
das gleich beim Hauptbahnhof liegt. Borotba wird von der schwedischen
Linkspartei finanziell unterstützt. Nen integreren Sponser kannste auch
schwerlich finden diese Monaten in der crash-version von ukrainischer
Politik, die vorläufig noch übriggeblieben ist. Verglichen mit den elenden
rechtsseiernden Abkochern, die die Rosa Luxenburg Stiftung in der Ukraine
bedient (Volynets, KVPU) ist die Solidarität der schwedischen Linkspartei
erste Sahne. Aber dieses Vergleichen mit dem Schwanz der imperialistischen
Leitmacht (der im Bundestag ab und an auch versucht, mit dem Hund zu
wackeln, Hunko: meine arme Familie) hilft nicht, scharf zu sehen. Was die
Linkspartei Deutschlands zur Ukraine verzapft ist einfach so
grottenschlecht, dass es in Vergleichen nicht mehr hilft, das genaue Sehen
zu schärfen. Scharfe Bitterkeit ist kein Freund guter Küche. Ich finds
trotzdem gut, dass der ach so familiengeschädigte Hunko sich an seinem
Arbeitsplatz Bundestagstribüne mit den olivgrünen Svoboda-Held*innen
anschreit. Wie wir an Brasilien-Portugal und USA-UK sehen wirkt bei weitem
nicht nur das Mutterland auf seine imperiale Kolonie, sondern auch öfters
mal andersherum. Der nächste Import aus der ukrainischen Verhovna Rada
nach Berlin wär nach dem vorbereitenden Anschreien das hier bereits
obligatorische Massenprügeln der seriösen EU-Partner*innen im Plenarsaal.

Wir trafen uns dann aber doch nicht im Büro der borotba, weil die akut
von einem rechtsradikalen Pogrom bedroht sind. In den rechtsradikalen
Foren (z.B. rechter Sektor, C 14) werden offen die Operationsziele der
nächsten Schläge diskutiert.

Ich muss die Aufzeichnung abbrechen. Wir müssen unser Verschwinden
organisieren, bevor es die rechten in die Hand nehmen. Eben bekam ich
übers Telefon eine konkrete Todesdrohung.

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