Kritik an den „12 Thesen“ zum Sozialismus von Lucas Zeise

Veröffentlicht: Januar 20, 2014 von asambleasueberall in Ideologiekritik

Dies ist eine kritische Auseinandersetzung mit den Thesen zum Sozialismus  von Lucas Zeise, die in  der Zeitung  junge Welt veröffentlicht wurden.

 

„Was Kommunisten und eigentlich dem Wortsinne nach auch Sozialisten gemeinsam auszeichnet, ist, daß sie den Kapitalismus überwinden wollen. An seine Stelle soll Sozialismus treten. Es ist eigentlich erstaunlich, daß wir uns so selten theoretisch, spekulativ und/oder wissenschaftlich damit befassen, was für ein Sozialismus das ist, wie er funktionieren kann oder soll.

Es bleibt uns aber gar nichts anderes übrig, als uns von neuem mit diesem zentralen Thema zu befassen. Das heißt nichts anderes, als die alten Antworten, die die sozialistische Theorie und Praxis uns geliefert hatten, unter den neuen historischen Bedingungen einer Prüfung zu unterziehen. Es wäre erstaunlich, wenn wir dabei sofort und ohne Umschweife Einigkeit erzielen könnten. Strittig sind die Fragen, wie die sozialistisch organisierten Gesellschaften funktioniert haben, was ihren Erfolg und was ihr Scheitern ausmachte. Strittig ist selbstverständlich auch, was daraus zu lernen ist. (…)

Bei so viel strittigen Fragen scheint es mir sinnvoll, zunächst zu sichten, welche nicht strittig sind. Ich habe deshalb versucht, diese zu formulieren, um damit die Möglichkeit zu eröffnen, sich auf die strittigen Fragen zu konzentrieren. (…) Zu meinen acht unstrittigen und vier strittigen Thesen will ich im weiteren sehr unterschiedlich ausführliche Anmerkungen machen und sie versuchen zu begründen.
These 1: Der Sozialismus ist die den Kapitalismus ablösende Produktionsweise.
Das ist die Kernthese, die uns hier zusammenführt. Gesellschaftlich ist sie hochkontrovers und (leider) alles andere als akzeptiert. Wir haben gute Gründe für diese These. Darüber haben sehr bedeutende Leute sehr kluge und richtige Bücher geschrieben. Wir beschränken uns hier auf die Feststellung, daß wir uns mit dem Thema »Ökonomie des Sozialismus« befassen, weil wir den Sozialismus für die Produktionsweise der Zukunft halten.

These 2: In der Sowjetunion und einigen osteuropäischen Ländern wurde diese Produktionsweise im 20. Jahrhundert vorübergehend praktiziert.
Die These wird nur angeführt, um klarzumachen, daß wir auf dieser Basis diskutieren. Wir sind keine Trotzkisten, Maoisten oder Idealsozialisten, für die Sozialismus nur etwas ist, was man als perfekte Form des Sozialismus bezeichnen kann.“

Diese Definition der “Basis”, auf der “Wir” diskutieren hat mit Marxismus und sozialistischem Denken  nichts zu tun und stellt eine Abgrenzung und Abqualifizierung aller, die diesem   Ausgangspunkt nicht teilen, an den Anfang der Bestimmung, was Sozialismus heute ist, bzw , wer als Sozialist zu bezeichnen ist.
Demnach ist jeder ein Idealsozialist, der mehr will, als das, was es an realem Sozialismus gegeben hat. Auch Marx wäre ein Idealsozialist.Für Marx selbst war die Diktatur des Proletariats eine Übergangsgesellschaft und das Ziel eine Gesellschaft, in der der Staat abgestorben ist. Der Begriff Übergangsgesellschaft stammt nicht von Trotzki. Dieses Ziel wird hier als Idealsozialismus  abqualifiziert und  nur das als Sozialismus zugelassen, was unter den beschränken, historischen Bedingungen realisert werden konnte.
Eine solche Bestimmung von Sozialismus hat nichts mehr mit der Überwindung von Herrschaft und Ausbeutung , der Schaffung einer klassenlosen Gesellschaft zu tun, sondern ist eine Affirmation des Faktischen, des damals Erreichten, die eine reaktionäre Weltsicht offenbart. Es reflektiert nicht die ungünstigen historischen Bedingungen unter denen dieser Sozialismus aufgebaut werden mußte,  die russische Revolution fand in einem nicht industrialisierten Land statt und konnte nicht auf andere Länder übergreifen, weshalb damals bezweifelt wurde, ob sich unter diesen Bedingungen Sozialismus überhaupt verwirklichen läßt. Von solchen Überlegungen sowie von einer wissenschaftlichen Analyse des Scheiterns des realen Soziaslismus ist der Ausgangspunkt von LZ weit entfernt.
Die Reduktion des Sozialismus auf das, was  im 20.jahrhundert realisert wurde und die Behandlung dieses Ausgangspunkts
als nicht strittige These  ist anmaßend und die Abqualifizierung anderer Auffassungen als Idealsozialismus, oder Trotzkismus verläßt den Bereich einer wissenschaftlichen, solidarischen Auseinadersetzung.

Beschimpfungen ,  Abgrenzungen, Gräben aus der Vergangenheit aus der Vergangenheit  : Trotzkismus, Maoismus, Idealsozialismus sollen wiedererweckt werden und die solzialistische Identität bestimmen.

„Man sollte also in diesem Zusammenhang ausführlicher formulieren: Es gibt viele verschieden entwickelte Formen des Sozialismus. Es gibt vermutlich ( !) auch Übergangsgesellschaften – um den trotzkistischen Ausdruck zu gebrauchen – vom Kapitalismus zum Sozialismus.“

Die Entwicklung in den lateinamerikanischen Übergangsgesellschaften  die einen anderen Weg gehen, als den der Diktatur des Proletariats wird dabei ausgeklammert.

„These 3: Dieser Versuch war erfolgreich, weil er unternommen worden ist und weil er 70 bzw. 40 Jahre lang unter schwierigen Bedingungen betrieben wurde.“

Ein Versuch ist nicht schon deshalb erfolgreich, weil er unternommen wurde und auch nicht deshalb, weil er 40-70 Jahre existiert hat.
Hier wird konkretisiert, was unter diesem Sozialismus   für den wir kämpfen sollen, zu verstehen ist:, Die 40 Jahre bzw 70 jahre realer Sozialismus, mit allem was dazu gehört inclusive Stalinismus usw. Den Stalinismus auf  historische Umstände zurückzuführen, unter denen der Soziaslismus damals realisert werden mußte ist eine Sache, diese Debatte soll hier gar nicht aufgemacht werden. Was LZ hier jedoch postuliert, ist,  diese Gesellschaftsform inclusive Statlinismus   als das Ziel schlechthin hinzustellen, für das wir kämpfen sollen. Die Abschaffung von Herrschaft und Ausbeutung ist für LZ nicht das Ziel und kann auch nicht als Maßstab dienen, an dem der reale Sozialismus zu messen wäre .
Die einzige Kritik am realen Sozialismus ist , daß er nicht dauerhaft Bestand hatte.

„Dieser Versuch ist auch gescheitert, denn er hat nicht auf Dauer die kapitalistische Produktionsweise abzulösen vermocht.
Es soll ausgedrückt werden, daß das Verhältnis zur historischen Realität des Sozialismus notwendig zwiespältig sein muß. Einerseits ist sie die größte soziale Errungenschaft der Menschheitsgeschichte.“

Die Menschheitsgeschichte hat schon bessere Zeiten erlebt. Klassengesellschaften gibt es erst seit 5000 Jahren. Davor lebten die Menschen mehr als 30.000 Jahre ohne Ausbeutung , Krieg und Herrschaft.

„Andererseits belegt sein Scheitern katastrophale Mängel. Aus beidem muß gelernt werden.
These 4: Der Sozialismus ist nur dann die den Kapitalismus ablösende Produktionsweise, wenn er sich ihm ökonomisch als überlegen erweist.
Dies dient als eine Erinnerung an die Grundthese des historischen Materialismus von der Priorität der materiellen Verhältnisse. Die These dient auch als korrigierender Hinweis an eine auch unter Kommunisten verbreitete Vorstellung, sozialistische Gesellschaften könnten sich auf irgendeine Weise aus dem Systemstreit verabschieden. Das geht weder politisch, noch ideologisch, noch militärisch und schon gar nicht ökonomisch. Anders formuliert: Die ökonomische Überlegenheit des Sozialismus ist der Grund dafür, daß er den Kapitalismus dauerhaft ablöst. Dies ist nichts weiter als die Feststellung Lenins, derzufolge der endgültige Sieg einer neuen Gesellschaftsordnung letztlich nur dadurch zu gewährleisten ist, daß sie eine höhere Arbeitsproduktivität als die vorangegangene erreicht. Es gilt auf diesem Hauptsatz des Historischen Materialismus auch jetzt zu bestehen, nicht nur, weil er von Lenin kommt.“

Die Systemkonkurrenz und damit die endlose Weiterexistenz des Kapitalismus wird hier unterstellt. Damit wird implizit eine Weltrevolution als außerhalb jeder Diskussion hingestellt. Dies ist eine beschränkte Sichtweise, die von der Übermacht des Kapitalismus ausgeht, der auf Weltmaßstab im Grunde gar nicht überwunden werden kann.

Was heißt ökonomische Überlegenheit? Wenn man die Arbeitsproduktivität als den einzigen Maßstab begreift, dann geht das Ziel der Abschaffung von Ausbeutung, das LZ ja sowieso nicht verfolgt, schnell verloren. Es ist keine Frage, daß in China zwar die Arbeitsproduktiovität Schritt hält, aber daß wir es hier nicht mehr mit Sozialismus zu tun haben, weil die Ausbeutung mindestens genauso angestiegen ist, wie die Arbeitsproduktivität.
Daß der reale Sozialismus  auch daran zugrunde gegangen, daß er nicht  mehr Sache der Menschen war, und gegen diese mit Gewalt durchgestzt werden mußte, wird hier nicht berücksichtigt. Bzw das alleinige Ziel der Erhöhung der Arbeitsproduktivität begünstigt dieses Scheitern.

Die Systemkonkurrenz zwischen Kapitalismus und Sozialismus, aus der Lenin diese These entwicklete, verdankt sich einer besonderen historischen Situation, in der der Sozialismus nur in einem oder wenigen Ländern siegen konnte und fortan von den kapitalistischen Ländern bedroht wurde.

„These 5: Der Sozialismus der Sowjetunion und Osteuropas ist ökonomisch gescheitert.
Diese Feststellung ist trotzdem mehr als eine sich aus dem Vorigen ergebende Schlußfolgerung. Der reale Sozialismus hat sich historisch konkret dem Imperialismus, den am höchsten entwickelten kapitalistischen Gesellschaften und Herrschaftssystemen, unterlegen erwiesen. Die Produktivität (Produktion je Arbeitsstunde) in den realsozialistischen Ländern war nicht nur niedriger als in den kapitalistischen Kernländern, auch ihre Steigerung blieb (zumindest zuletzt) hinter dem Produktivitätsfortschritt im Westen zurück. (…)“

Es ist ein Ammenmärchen, daß die Überlegenheit des Kapitalismus , die Erwirtschaftung größerer Reichtümer, mit denen der gignatische Militätapparat aufgebaut werden konnte, alleine auf der hohen Arbeitsproduktivität beruhen würde.
Die Überlegenheit des Kapitalismus beruht auf Ausbeutung , mit der der Sozialismus nie mithalten kann. z.B.Der Dollar als Weltgeld hat es den USA ermöglicht alle anderen Länder zu Tributzahlern zu machen. Die USA haben sich durch den Mechanismus des Petrodollar, alles Öl muß in Dollar bezahlt werden, wodurch die Ölländer Unmengen an Dollar einnahmen, die diese in amerikanische Staatsanleihen investierten und durch stänndige Abwertung des Dollar eine Stärke verschafft, die niemals durch Steigerung der Arbeitsproduktivität hätte errreicht werden können.
Genauso sieht es mit dem  Raub der Rohstoffe durch Krieg aus.

Wenn wir über die Gesellschaftsform und Produktionsweise der Zukunft reden, dann kann man sich nicht festelegen auf das, was in Rußland  vor 100 Jahren existiert  hat.  Das ist unhistorisch und wird den jetzigen gesellschaftlichen Bedingungen nicht gerecht. Das Ausmaß an Naturzerstörungen, die heute sichtbar werden, die heutige Form des Finanzkapitalismus, das Ausmaß der Macht der internationalen Konzerne , die Digitalisierung, all das hat es damals nicht gegeben und neue Verwerfungen geben sowohl neue Gründe für die Dringlichkeit der Überwindung der  Ausbeutungs- und Kriegsgersellschaft und verlangen nach neuen Antworten, die nur mit einer sozialistischen Produktionsweise  gegeben werden können. Alle diese Ziele fallen bei Lukas zeise aus dem Blickfeld. 
Die Schaffung von ungekanntem Ausmaß an Hunger durch Landenteignung, Die Verwüstungen der Natur, ,die Überausbeutung und Verschwendung der natürlichen Ressourcen, einerseits werden Kriege um fossile Energien, wie Öl geführt, die  Jahrmillionen gebraucht haben, um sich zu entwickeln  und endlich sind, andererseits werden immer neue Produkte aus Öl hergestellt , alles ist aus Plastik, angefangen von Verpackungen, Kleidung, Möbel und das Meer erstickt in Plastikabfällen, weil die Produktion von Plastikprodukten so billig sind, da die wirklichen Kosten angefangen an der Herstellung derselben in Jahrmillionen nicht gerechnet wird. Die Erde wird als toter organimus gesehen, dem man alles einfach entnehmen kann, DieMenschen, die auf dem Land leben in dem sich die Rohstoffe befinden, hat man enteignet, die Entsorgung der Abfälle geht auf kosten der Allgemeinheit,   eine immer  assozialere  Produktion, die nur deshalb billig ist, weil die natürlichen Kosten nicht zählen  sämtliche Risiken auf dieAllgemeinheit abgeladen werden. Mit hochtechnisierten Mitteln werden unter Ausnutzung billigster Arbeitskräfte z.B. in Bangladesh  produkte geschaffen, die konkurrenzlos billig sind und mit denen der Preis von Produkten, die fair produziert wurden nicht mithalten können. Mit dieser e Sorte von Produktivität die in die preisbildung eingeht, kann ein Sozialismus   nicht konkurrieren.

Die Bedrohung von Mensch und Natur durch den  profitgetriebenen Alchimismus der Ersetzung von immer mehr natürlichen Prozessen durch gesundheitsgefährdende künstliche, durch Gentechnik und andere robotische “Erfindungen”,  diese menschen und- naturfeindliche Sorte von “Arbeitsproduktivität” kann es im Sozialismus nicht geben.
Die Bedrohung der Menschheit und des Planeten durch nie gekannte zerstörerische Waffen, und daraus abgeleitete Technologien wie Atombombe, Atomkraft, Wetterkriege und Manipulationden des Erdmagnetismusund der Ionossphäre,Erzeugung von Erdbeben müssen im Sozialismus abgeschaffzt werden und wir können diese Systemkonkurrenz nicht mithalten, weil wir dann den Planeten zerstören.

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